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Zur Rezeption der Philosophie Ludwig Wittgensteins im literarischen Werk W. G. Sebalds

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Martin Häckel

Ludwig Wittgenstein erscheint im Werk W. G. Sebalds häufig. Dieses Buch stellt ihn als zentrale Figur in zweien seiner Werke dar. Es stellt eine Analogie zwischen dem literarischen Konzept des Synoptischen Blicks und dem sprachkritischen Werkzeug der Übersichtlichen Darstellung her, und es nimmt eine Verortung in der Nachkriegsliteratur sowie eine Nutzbarmachung Wittgensteinscher Begriffe für die Literaturwissenschaft vor. Sebalds Gesamtwerk wird als Versuch begriffen, das philosophische Konzept des Zeigens auf literarischer Ebene umzusetzen. Es werden Gemeinsamkeiten auf den Ebenen von Stil, Bildverständnis und Erkenntnisinteresse herausgearbeitet, und es wird erörtert, inwieweit der Synoptische Blick tatsächlich mit der Übersichtlichen Darstellung vergleichbar ist und wie dieses Konzept als Gegenentwurf zu Schreibweisen anderer Autoren innerhalb der sog. Holocaustliteratur zu verorten ist. Eignet es sich zum Schreiben über die Shoah in besonderem Maße? Sind dabei eigene Kriterien aufzustellen?

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3. „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“298

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Nachdem im vorangegangenen Kapitel bereits eine erste vergleichende Annäherung zwischen Sebalds literaturtheoretischen Forderungen und Wittgensteins Ausführungen zu Frazers Golden Bough durchgeführt wurde, sollen im folgenden Kapitel die wichtigsten philosophischen Positionen Wittgensteins dargestellt und als literarische Werkzeuge nutzbar gemacht werden. Maßgeblich für die vorliegende Arbeit ist sein Spätwerk, insbesondere die Philosophischen Untersuchungen, auf deren zentrale Begriffe in den Unterkapiteln 3.3 bis 3.5 eingegangen wird. Um diese Begriffe und deren Kontext besser verstehen zu können, werden in den Unterkapiteln 3.1 und 3.2 kontrastierend dazu die wichtigsten Aspekte aus Wittgensteins Frühwerk, namentlich dem Tractatus Logico-Philosophicus, eingeführt.

Von Bedeutung für das Werk Wittgensteins ist der vermeintlich tiefe Bruch darin, die Kluft zwischen dem Frühwerk und dem Spätwerk, sodass lange Zeit konsequent zwischen dem „frühen“ und dem „späten“ Wittgenstein, also dem des Tractatus und dem der Philosophischen Untersuchungen, unterschieden wurde.299 Die Schriften aus den 1930er und 1940er Jahren wurden dabei aufgrund größerer inhaltlicher Gemeinsamkeiten dem „späten“ Wittgenstein zugeordnet. Diese Auffassung hat sich mit der Zeit in Richtung einer Dreiteilung seines Schaffens verschoben: Das Frühwerk wird auf die Jahre 1913 bis 1918 datiert, das mittlere Schaffen auf die Jahre 1929 bis 1936 sowie das Spätwerk auf die Jahre 1936 bis 1951.300 Betont die ältere Zweiteilung vor allem den starken Gegensatz zwischen der inhaltlichen Fokussierung auf die Idealsprache einerseits (im Tractatus) und auf die Alltagssprache andererseits (in den Philosophischen Untersuchungen), ←93 | 94→versucht die Dreiteilung durch die...

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