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Zur Rezeption der Philosophie Ludwig Wittgensteins im literarischen Werk W. G. Sebalds

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Martin Häckel

Ludwig Wittgenstein erscheint im Werk W. G. Sebalds häufig. Dieses Buch stellt ihn als zentrale Figur in zweien seiner Werke dar. Es stellt eine Analogie zwischen dem literarischen Konzept des Synoptischen Blicks und dem sprachkritischen Werkzeug der Übersichtlichen Darstellung her, und es nimmt eine Verortung in der Nachkriegsliteratur sowie eine Nutzbarmachung Wittgensteinscher Begriffe für die Literaturwissenschaft vor. Sebalds Gesamtwerk wird als Versuch begriffen, das philosophische Konzept des Zeigens auf literarischer Ebene umzusetzen. Es werden Gemeinsamkeiten auf den Ebenen von Stil, Bildverständnis und Erkenntnisinteresse herausgearbeitet, und es wird erörtert, inwieweit der Synoptische Blick tatsächlich mit der Übersichtlichen Darstellung vergleichbar ist und wie dieses Konzept als Gegenentwurf zu Schreibweisen anderer Autoren innerhalb der sog. Holocaustliteratur zu verorten ist. Eignet es sich zum Schreiben über die Shoah in besonderem Maße? Sind dabei eigene Kriterien aufzustellen?

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4. „… Am Horizont / Lodert ein furchtbares Feuer …“485

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Während bislang nur die beiden Werke Die Ausgewanderten und Austerlitz betrachtet wurden, sollen nun auch die anderen literarischen Werke Sebalds, Nach der Natur, Schwindel. Gefühle., Die Ringe des Saturn und die vier Fragmente aus dem Nachlass, die im Sammelband Campo Santo erschienen sind, in die Analyse mit einbezogen werden. Hinzu kommt die Aufsatzsammlung Logis in einem Landhaus, die Porträts von fünf Autoren und einem Maler beinhaltet und sich an der Grenze zwischen fachwissenschaftlicher Auseinandersetzung und subjektiver Erzählung von fremden Lebensläufen befindet. Die bisher untersuchten Werke bilden insofern eine Einheit, als sie sich beide anhand von Biografien traumatisierter Menschen dem Thema der Massenvernichtung im 20. Jahrhundert, insbesondere der Shoah, annähern, auch wenn Auschwitz als Inbegriff dieser Gräuel lediglich umkreist wird. Deshalb wird Jacques Austerlitz auch als der fünfte Ausgewanderte486 dargestellt, weil seine Biografie wie die der vier anderen von Personen handelt, die der unmittelbaren Vernichtung in einem Konzentrationslager durch den Weg ins Exil entgangen sind, jedoch an dem Erlebten zu zerbrechen drohen. Weiterhin wird die Person Ludwig Wittgenstein in beiden Werken thematisiert, sodass auch hier von einem Zusammenhang gesprochen werden kann. Die anderen Prosawerke Sebalds unterscheiden sich hiervon insofern, als die Shoah darin oberflächlich betrachtet kaum eine Rolle zu spielen scheint, stattdessen ein allgemeiner melancholischer Blick auf die europäische Welt geworfen wird. Zentral hierbei ist der Begriff der Katastrophe, der im Sinne Walter Benjamins verwendet und weitergeführt wird, wie Luisa Banki zeigt.487

Im vorliegenden Kapitel soll in...

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