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Zur Rezeption der Philosophie Ludwig Wittgensteins im literarischen Werk W. G. Sebalds

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Martin Häckel

Ludwig Wittgenstein erscheint im Werk W. G. Sebalds häufig. Dieses Buch stellt ihn als zentrale Figur in zweien seiner Werke dar. Es stellt eine Analogie zwischen dem literarischen Konzept des Synoptischen Blicks und dem sprachkritischen Werkzeug der Übersichtlichen Darstellung her, und es nimmt eine Verortung in der Nachkriegsliteratur sowie eine Nutzbarmachung Wittgensteinscher Begriffe für die Literaturwissenschaft vor. Sebalds Gesamtwerk wird als Versuch begriffen, das philosophische Konzept des Zeigens auf literarischer Ebene umzusetzen. Es werden Gemeinsamkeiten auf den Ebenen von Stil, Bildverständnis und Erkenntnisinteresse herausgearbeitet, und es wird erörtert, inwieweit der Synoptische Blick tatsächlich mit der Übersichtlichen Darstellung vergleichbar ist und wie dieses Konzept als Gegenentwurf zu Schreibweisen anderer Autoren innerhalb der sog. Holocaustliteratur zu verorten ist. Eignet es sich zum Schreiben über die Shoah in besonderem Maße? Sind dabei eigene Kriterien aufzustellen?

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5. „…aus dem Unsagbaren ins Unsägliche…“703

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Im nun folgenden Kapitel werden weitere Verbindungslinien zwischen Sebalds Anforderungen an die Literatur des Synoptischen Blicks und Wittgensteins Philosophie gezogen. Besondere Aufmerksamkeit erfahren die Komplexe des Stils, des Begriff und des Bildes sowie des Erkenntnisinteresses. Ausgangspunkt hierfür ist der einzige Text aus dem Werk Sebalds, der tatsächlich und ausschließlich Ludwig Wittgenstein zum Thema hat.

Im Feuilleton der Frankfurter Rundschau erschien am 22. April 1989 ein Text Sebalds mit dem Titel Leben Ws: Skizze einer möglichen Szenenreihe für einen nichtrealisierten Film. Es handelt sich dabei um eine Aneinanderreihung von Szenen aus dem Leben Ludwig Wittgensteins, die Sebald bereits 1986704 verfasst hatte und zum Drehbuch eines Films hätten werden können. „Als unmittelbarer Anlaß für das Projekt: Ws hundertster Geburtstag 1989, am 26. April, den er bestimmt nicht hätte feiern wollen. Er kam sich immer zu alt vor.“705 Der Text selbst setzt sich aus einem einleitenden Vorwort, das die Intention und die Programmatik des Projektes schildert, sowie 62 Filmszenen, die unterschiedlich detailliert ausgeführt sind, zusammen: Etliche bestehen aus einigen Zeilen Text, andere lediglich aus einem Halbsatz. Der Film hat das Ziel,

„die Geschichte einer solitären Figur, diejenige des Philosophen Ludwig Wittgenstein [zu] erzählen und zwar nicht in der Form einer Dokumentation oder bebilderten Biographie, sondern in der reinen Form von Bildern, aus denen sich das Leben Ws zusammengesetzt hat. Der Natur reiner Bilder entsprechend, geht es also um die Konstruktion eines achronologischen, asyntaktischen ‚Satzes‘, in welchem...

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