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Das neue Verhältnis zwischen Religionsgemeinschaften und Staat in Luxemburg – ein Vorbild für Deutschland?

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Leonie Derksen

Am 26. Januar 2015 unterzeichneten die Religionsgemeinschaften in Luxemburg ein Abkommen mit der Regierung, welches das bisher geltende Verhältnis zum Staat umwandelte. Innerhalb weniger Jahre wurde das luxemburgische System, welches im Kern dem deutschen System der freundlichen Kooperation von Staat und (katholischer) Kirche sehr ähnelt, von Grund auf verändert.

Diese Entwicklung nimmt die Autorin zum Anlass, Ursachen und Fortschritte sowie das neue Verhältnis von Staat und Kirche in Luxemburg rechtlich nachzuzeichnen. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen bei der Beantwortung der Frage, ob eine solche Reform auch in Deutschland denkbar sein könnte.

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VIII. Ausblick und Zusammenfassung

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Europaweit hat in den letzten Jahren die Pluralität der Religionen zugenommen. Folge davon ist, dass nicht mehr hauptsächlich christliche Ansichten die öffentliche Diskussion bestimmen, sondern unter anderem auch der Islam, das Judentum, der Hinduismus und der Buddhismus ins Bewusstsein der Menschen und den öffentlichen Diskurs getreten sind. Die gewachsene Vielfalt im religiösen Spektrum reicht jedoch nicht aus, die Wirklichkeit als ganze zu erfassen. Hinzu kommt ebenfalls die breitgefächerte Weltanschauungsvielfalt der Personen ohne Religion. Sie reicht vom dezidiert atheistischen Bekenntnis über agnostische Positionen bis zu denen, denen Religion und ihre Inhalte gar nichts mehr sagen und die sich folglich in einer säkularen Welt heimisch fühlen.748

Luxemburg zeigt dabei, dass über Jahrhunderte gewachsene Regelungen, Strukturen und Traditionen in einem Staatskirchenverhältnis geändert werden können, wenn die Politik auf gesellschaftliche Veränderungen hinsichtlich ebendieser Pluralität reagiert.

Auch in Deutschland vollzieht sich eine zunehmende Säkularisierung, die vor allem durch die steigende Individualisierung der Gesellschaft vorangetrieben wird.749 Den Religionsgemeinschaften wird diagnostiziert, dass sie einer neuen und fortwährenden säkularisierenden Umgebung der Gesellschaft entgegensehen.750 Daraus entstehen zwei Entwicklungsströme, die für Kirche und Politik entscheidend werden: Einerseits lässt sich eine Abkehr von der Betrachtungsweise feststellen, dass weiterhin an einer institutionellen Verknüpfung von Religionsgemeinschaften und Staat festgehalten werden soll.751 Denn dadurch, dass der Staat sich selbst religiöser Neutralität verschrieben hat, fallen die Voraussetzungen einer Verbindung des Staates zu einer bestimmten (bisher vorherrschenden Religion/Kirche) weg. Andererseits rückt...

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