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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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„Ilias Latina“ (1. Jahrhundert n.Chr.)

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Weite Verbreitung hatten im Mittelalter Handschriften, die eine ‚Kurzfassung‘ der homerischen „Ilias“ in 1070 lateinischen Hexametern überliefern.1 Das kleine Werk enthält Zitate aus der „Ilias“-Übersetzung des römischen Dichters Gnaeus Matius, der zu Anfang des ersten vorchristlichen Jahrhunderts lebte. Der Beginn des Textes lautet in großer Nähe zum Original „Iram pande michi Pelide diva superbi“.

Es handelt sich um einen anlaßbedingten Text von großer Disproportion, dessen Wirkung gleichwohl erheblich gewesen ist. Hat er doch im lateinischen Mittelalter des Westens, wo im Gegensatz zur sorgsamen Homer-Pflege durch die Byzantiner die frühgriechischen Epen jahrhundertelang nicht mehr in der Originalsprache gelesen wurden, wenigstens die Erinnerung an den Namen Homer zu bewahren geholfen. Daß in den Werken Dantes und Petrarcas, die beide des Griechischen noch nicht wieder mächtig waren, Homer dennoch als großer Dichter erscheint, ist auch der Tradition der „Ilias Latina“ zu verdanken. Wurde sie doch im scholastischen Unterricht als typisches Auszugswerk (Epitome) verwendet. Erst seit dem 15. Jahrhundert lernten die italienischen Humanisten von den oft als „Graeculi“ (,Griechlein‘) verspotteten oströmischen Gelehrten die Sprache des „Ilias“-Dichters wieder systematisch.

Die Hälfte der Verse reicht bis zum fünften Buch, zwei Drittel dieser Version decken das homerische Epos bis zum achten Gesang ab. Der Autor des sprachlich von Vergil und Ovid beeinflußten Textes wollte freilich selbst nicht als Epitomator angesehen werden, sondern beanspruchte mit den zahlreichen Abweichungen, vor allem mit Gleichnissen ohne Entsprechung bei Homer, als eigenst...

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