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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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„Das Nibelungenlied“ und „Klage“

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„Die Nibelungen ausgerechnet auf dem Mond anzusiedeln, das kann nur einem ziemlich durchtriebenen Autor einfallen“, wie Arno Schmidt einer war, der in dem Roman „KAFF auch Mare Crisium“ 1960 „seinen lunaren Ausflug in die Sage aber ganz irdisch“ vorbereitet hatte, „mit einem Kuß von Held und Heldin vor Heidelandschaft“ (Johannes Saltzwedel), die „schtumm nebeneinander […] fleißisch Nebl (Niebelungn Neeblungn)“ machten. Parodie mag beim „Nibelungenlied“ nach 1945 – als den Lesern alter Heldendichtung eher der Sinn nach der Geschichte des Kriegsheimkehrers Odysseus stand – als eine womöglich besonders angemessene Form der Wiederannäherung an einen Text vorgekommen sein, der rund hundert Jahre für martialische Propaganda hatte herhalten müssen. Kaum hatte Joseph Victor von Scheffel in seinem „Ekkehard“ 1855 noch frech „dumme Jungen“ auf „Nibelungen“ gereimt, da feuerte 1859 der damals noch nicht im „Kampf um Rom“ erprobte Felix Dahn auf das bloße Gerücht hin, Frankreich, Italien und Rußland hätten Deutschland den Krieg erklärt, seine Landsleute an:

Kämpft bis der letzte Streich geschlagen       ins letzte deutsche Herzblut rot, /

Und lachend, wie der grimme Hagen,       springt in die Schwerter und den Tod /

[…]

Brach Etzels Haus in Glut zusammen,       als er die Nibelungen zwang, /

So soll Europa stehn in Flammen       bei der Germanen Untergang!

Die Verkünder der Dolchstoßlegende, allen voran der spätere Reichspräsident Hindenburg, erkannten Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg im Bild des Recken Siegfried wieder, den ein...

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