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Dialektisches Ringen zwischen Tradition und Moderne

Mustafa Sabris Positionierung zu den theologischen und intellektuellen Herausforderungen in der Spätphase des Osmanischen Reiches (19.–20. Jh.)

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Merdan Güneş

Diese Arbeit widmet sich den theologischen und gesellschaftspolitischen Ansichten des spätosmanischen Gelehrten Mustafa Sabri Efendi (1869–1954). Er begegnete den Debatten seiner Zeit nicht nur als Religionsgelehrter, sondern auch als politischer Aktivist. Seine Situierung in einer Umbruchsphase zwischen Tradition und Moderne verleiht seinen Beiträgen aktuelle Relevanz. Allen voran thematisierte er das Verhältnis zwischen Offenbarung und Vernunft, Wissenschaft und Glaube sowie Religion und Politik. Dabei äußerte er sich zu diesen Themen stets aus der Perspektive einer sunnitischen ʿašʿarītischen Theologie. So kann Sabris Denken als ein Gegenentwurf zum islamischen Modernismus des von Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī (gest. 1897) und Muḥammad ʿ Abdūh (gest. 1905) verstanden werden.

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3.1.8 Hinterlassenschaften des reformierten madrasa-Systems

3.1.8Hinterlassenschaften des reformierten madrasa-Systems

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Im März 1924 wurden strenge Maßnahmen von der Republik eingeleitet mit dem Ziel, sich vom Osmanischen Reich zu distanzieren, darunter zum Beispiel die Aufhebung des Kalifats, die Vertreibung aller überbleibenden Angehörigen der osmanischen Dynastie sowie die Herabstufung der religiösen Verwaltung vom ministerialen Level auf die Stufe einer Verwaltungsabteilung unter der Aufsicht des Premierministers.501 Nach einigen Tagen gab der Minister für Bildung seine Entscheidung bekannt, die madāris allesamt zu schließen, da ihre Rückständigkeit nicht aufzuheben sei und auch andere Unzulänglichkeiten bestünden. Sie wurden durch berufsbildende Schulen mit religiösem Fokus (İmam-Hatip) ersetzt, um Imame und andere Moscheebeauftragte auszubilden. Die Fakultät für Theologie (İlahiyat Fakültesi) unter der Schirmherrschaft der Universität Istanbul (Dârülfünûn) sollte Religionsgelehrte ausbilden. Letztendlich sind die madāris ab dem 15. März 1924 geschlossen worden, ohne den dortigen Lehrern eine alternative Stelle anzubieten.502

Die Abschaffung der madāris wurde von Kemalisten sowie Sympathisanten der Regierung positiv aufgenommen, da sie diese Abschaffung als überfällige notwendige Maßnahme sahen, zumal dieses System ohnehin nicht reformierbar und von Antireformisten und reaktionären Gelehrten aufrechterhalten worden sei.503 Dieses Bild wurde auch in Zeitschriftartikeln vertreten, die der Regierung positiv eingestellt waren. Einzig durch die Abschaffung dieses Systems könne die Türkei demnach eine nationale Einheit und Aufklärung erreichen. Solch undifferenzierte Aussagen und Darstellungen weiteten nur die Kluft zwischen Kemalisten und konservativen Zirkeln während der frühen Republiksperiode.504

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