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Dialektisches Ringen zwischen Tradition und Moderne

Mustafa Sabris Positionierung zu den theologischen und intellektuellen Herausforderungen in der Spätphase des Osmanischen Reiches (19.–20. Jh.)

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Merdan Güneş

Diese Arbeit widmet sich den theologischen und gesellschaftspolitischen Ansichten des spätosmanischen Gelehrten Mustafa Sabri Efendi (1869–1954). Er begegnete den Debatten seiner Zeit nicht nur als Religionsgelehrter, sondern auch als politischer Aktivist. Seine Situierung in einer Umbruchsphase zwischen Tradition und Moderne verleiht seinen Beiträgen aktuelle Relevanz. Allen voran thematisierte er das Verhältnis zwischen Offenbarung und Vernunft, Wissenschaft und Glaube sowie Religion und Politik. Dabei äußerte er sich zu diesen Themen stets aus der Perspektive einer sunnitischen ʿašʿarītischen Theologie. So kann Sabris Denken als ein Gegenentwurf zum islamischen Modernismus des von Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī (gest. 1897) und Muḥammad ʿ Abdūh (gest. 1905) verstanden werden.

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7.2.6 Islam und Demokratie

7.2.6Islam und Demokratie

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Lambton zufolge bildet die islamische Gemeinde (umma) die Grundlage der politischen Struktur. Diese Gemeinschaft bestehe aus einem Zusammenschluss von Individuen, die miteinander durch die Bande der Religion vereint seien.1598 Eine Gewaltherrschaft über andere Völker sei ebenfalls auszuschließen, obwohl es ein menschliches Prinzip sei, dass die Stärkeren über die Schwächeren herrschten.1599 Daher sei jegliche Kritik am Islam in diesem Zusammenhang haltlos und unangebracht. Außerdem enthalte der Islam im Gegensatz zum Juden- und Christentum alle Regeln, die die Menschen für ihr Leben benötigten, weshalb sie keine anderen Systeme benötigten.1600 Diese Unabhängigkeit von anderen Systemen sei ein dem Islam eigenes Charakteristikum.1601 Alle Regeln seien aus Koran und Sunna abgeleitet und tatsächlich in tausenden von Werken des fiqh sowie uṣūl al-fiqh auffindbar.1602 Hierzu stellt Sabri die Frage, ob es in der Menschheitsgeschichte denn je ein vergleichbares Rechtssystem gegeben habe.1603 Die Rechtsgelehrten mit einer Befähigung zur eigenständigen Urteilsbildung (muǧtahidūn) sammelten die Aussprüche des Propheten und systematisierten sowie analysierten diese bis ins kleinste Detail. Auf dieser Grundlage ←335 | 336→wurden schließlich die Regeln formuliert, womit eine der genauesten Wissenschaften entstanden ist, nämlich die des uṣūl al-fiqh.1604 Die Anwendbarkeit der auf Koran- und Hadith-Wissenschaften basierenden Rechtsmethodologie auf neu eroberte Gebiete und auch die Wissenschaft der Grammatik (naḥw), anhand derer die koranische Sprache zu verstehen versucht wurde, sah Sabri ebenso als Wunder an wie die Wunder des Propheten. Ihren Wundercharakter begründet er zusätzlich damit, dass sich...

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