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Die Vita des Josef Busnāyā

Eine historische Quelle des Nordiraks des 10. Jahrhunderts

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Ralph Barczok

Der Band ist die erste größere Studie zur Vita von Josef Busnāyā. Diese Quelle beschreibt in großem Detailreichtum das alltägliche Leben im 10. Jahrhundert in einem ostsyrischen Kloster und seinem ruralen Umfeld in einer ansonsten schlecht dokumentierten Zeit und Region. Der Autor veranschaulicht das alltägliche Leben im Kloster, seine ökonomische Grundlage und das Verhältnis der Mönche zu ihrem christlichen und nicht-christlichen Umfeld und analysiert es im Kontext seiner historischen Situation. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme mit erstaunlichen Einsichten in das alltägliche, multireligiös geprägte Leben im Nordirak des 10. Jahrhunderts. Allerdings sind diesen durch die Natur der Quelle als hagiographischer Text Grenzen gesetzt.

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5. Bildung und Wissen im Kloster

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Erkenntnis (iḏaʿṯā) und Lehre (yulpānā) spielen in der Vita eine besondere Rolle. Dies ist unter anderem der Intention der Vita geschuldet, die sich als Lehrwerk an junge Mönche richtete: Durch das Vorbild der verschiedenen Mönche und die Lehre des Josef Busnāyā sollten diese auf ihrem Weg als Asketen vorankommen. Erkenntnis und Lehre stehen aber auch im Zentrum der anthropologischen Überlegungen des Johannes bar Kaldun, wie er sie zum Beispiel zu Beginn des achten Kapitels ausbreitet.562 Dort führt er aus, dass nur Gott vollkommene und ewige Erkenntnis besitze, die weder Wachstum noch Verringerung kenne. Unter den geschaffenen Wesen unterscheidet Johannes die Menschen von den Tieren auf der einen Seite und den Engeln auf der anderen Seite. Tiere, als rein körperliche Wesen ohne Verstand und Seele, müssten ihre Erkenntnis nicht erlernen, weil sie vom Schöpfer in ihre Natur gelegt worden sei. So wisse der Hund, dass er wachsam sein und bellen solle und der Hahn, wann er krähen müsse. Beide müssten dies nicht erlernen. Die rein geistigen Wesen ohne Körper und Sinne, die Engel, haben zwar vollkommene Erkenntnis (iḏaʿṯā mšamlaytā), die aber nicht vollständig (gmīrtā) sei. Sie erlernten jeden Tag neue Dinge und ihre Erkenntnis nehme jeden Tag zu. Die vollständige Erkenntnis würden sie so in der Zeit nicht erreichen, sondern erst an deren Ende, in der Ewigkeit.563

Eine besondere Situation trifft nun nach Johannes auf den Menschen zu, der die...

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