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Italienische Literatur im Spannungsfeld von Norm und Hybridität

Übergänge – Graduierungen – Aushandlungen

Edited By Barbara Kuhn and Dietrich Scholler

Traditionell gelten die Begriffe Norm und Hybridität in der Literaturwissenschaft als Gegensatzpaar: Normen, wie sie seit der Antike und bis in die Frühe Neuzeit in Regelpoetiken festgehalten oder anderweitig definiert sind, werden im historischen Prozess mittels Hybridisierungen auf verschiedenen Ebenen aufgeweicht oder gebrochen, so dass sich die Hybridität spätestens in der Epoche der Romantik als neue Norm durchsetzt. Dagegen zeigen die hier versammelten Studien, dass sich die italienische Literatur einer solch eindeutigen Zuordnung entzieht. Es zeichnet sich ein von intrikaten Graduierungen und entsprechenden Aushandlungsprozessen geprägtes Spannungsfeld ab, das auf die grundsätzliche Übergänglichkeit der literarischen Rede weist: Sie ist stets unterwegs zu dem, was sie meint.

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Norm oder Hybridität – Hybridität als Norm? Einleitende Überlegungen: (Barbara Kuhn (Eichstätt) / Dietrich Scholler (Mainz)

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Barbara Kuhn (Eichstätt) / Dietrich Scholler (Mainz)

Norm oder Hybridität – Hybridität als Norm?Einleitende Überlegungen

Auf einen ersten Blick mögen die beiden Konzepte, die hier gleich doppelt über diesen einleitenden Überlegungen stehen, entweder nichts miteinander zu tun haben oder allzu evident ungefähr dasselbe suggerieren: In Anbetracht mancher Debatten der letzten Jahrzehnte und vor allem der Debatte um die Postmoderne mag insbesondere Letzteres der Fall scheinen, denn in diesem Kontext gilt zum einen die «Auflösung des Kanons» im Zusammenhang mit der «Entlegitimierung» zahlreicher Normen, die zuvor autoritative Geltung besaßen, ebenso als konstitutives Merkmal wie etwa die «Hybridisierung oder die Reproduktion von Genre-Mutationen», die ihrerseits verstanden werden kann als «‹Entdefinierung›, Deformation von kulturellen Genres»,1 mithin wiederum als Infragestellung dessen, was bislang normativ geregelt zu sein schien. So gesehen kann das Begriffspaar den Eindruck erwecken, mit der Erwähnung von Hybridität oder Hybridisierung sei die Frage nach der Norm oder der Normativität implizit bereits beantwortet; beides in einem Atemzug oder in einem Syntagma zu nennen, komme einer Art Tautologie gleich, in der nur der eine Part negiert zu werden brauche, um indirekt den anderen zu bezeichnen.

Misstrauisch jedoch einem solch voreiligen Abtun der mit diesen zwei Konzepten aufgeworfenen Fragen gegenüber muss der Umstand machen, dass auch der erwähnte gegenteilige Eindruck sich dem ersten Blick aufdrängen kann. Denn in der Tat haben die beiden Begriffe insofern nichts miteinander zu tun, als die offene Frage von...

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