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Strategien des Begehrens: Homotextualität in der deutschen und mexikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts

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Raquel Soledad López Torres

Im Rahmen der Gender und Cross Cultural Studies vergleicht die mexikanische Germanistin Raquel Soledad López Torres im Ausgang von Jacob Stockingers Ansatz zur Analyse von ‹Homotextualität› Werke deutscher und mexikanischer Autoren des 20. Jahrhunderts – Bruno Vogel, Hubert Fichte, Detlev Meyer, Luis Zapata, Raúl Rodríguez Cetina und Luis González de Alba – im Hinblick auf die interkulturell und ‹homotextuell› unterschiedliche literarische Verarbeitung ihrer eigenen sexuellen Identität. Das besondere Augenmerk der Verfasserin gilt dabei nicht nur der Homosexualität als eines literar-ästhetischen Sujets, sondern auch den sozial-historischen Bedingungen, unter denen die Autoren ein zu ihrer Zeit tabuisiertes Thema in ihren verschiedenen Kulturen angesprochen haben. Exemplarisch stellt sie in ihrer Untersuchung jeweils die Modellierung der Figur zweier schwuler Soldaten, die provokative Schreibweise zweier bisexueller Autoren und die (auto-)biographisch heikle Behandlung der Aids-Problematik einander gegenüber. Angesichts der zuletzt vielerorts wieder zunehmenden Homophobie und Xenophobie kommt diese Studie genau zur rechten Zeit, um das Bewusstsein der Leser für die Diskriminierungserfahrung von Minderheiten zu schärfen.

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4 Provokative Schreibweise und Darstellung des Themas

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Die autobiographischen Romane Versuch über die Pubertät (1974) von Hubert Fichte (1935–1986) und El Desconocido157 (1977) von Raúl Rodríguez Cetina (1953–2009) werden in diesem Kapitel verglichen. Die Autoren haben gemein, wie es Hess-Lüttich über andere homosexuelle Autoren erläutert (2000: 46), dass die „Literatur zum Medium der Selbstvergewisserung und Selbstbehauptung“ ihrer Homosexualität wurde. Mit ihren Texten versuchten sie, den „Gefährdungen ihrer Existenz durch Symbole der Gewalt zu begegnen“ (ebd.). Dafür haben sie sich verschiedener Elemente bedient, um sich mit ihrem Stigma auseinanderzusetzen wie z. B. die „de-maskierende Ausstellung der Clichés, Stigmata und Stereotypen der Normkultur, die Moral und Macht auf ihrer Seite weiß, durch Exotisierung der Figuren – Matrosen, Soldaten, Schwarze – als Chiffren erfahrener Fremdheit, einsamer Andersheit im Gewoge der ‚Blonden und Blauäugigen‘ […]“ (ebd.). Sowohl Rodríguez als auch Fichte erzählen in ihren Werken über ihr eigenes Leben. Sie versuchten, wie etwa Hess-Lüttich darauf hinweist (ebd.), sich durch das Schreiben zu betrachten, um sich zu verstehen. So erklärt zum Beispiel Rodríguez’ Protagonist in seinem autobiographischen Roman Ya viví, ahora qué hago158 (2001: 41): „Wenigsten habe ich meine Literatur“159, um sich vor der Depression und dem Abgrund zu retten. Fichte seinerseits hat in einem Interview auf die Frage, „warum er Romane schreibe“, Folgendes geantwortet: „[…] Weil es vielleicht einige Leute gibt, die sich für das interessieren, worauf ich sie aufmerksam machen möchte, und um mich über mich selbst zu verständigen“ (Zimmer 1985a: 91). Beide...

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