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Erhabenheit und Kunstautonomie

Schillers Poetik des Unendlichen

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Sofia Avgerinou

Friedrich Schillers Stilisierung als Dichter der Versöhnung und der ästhetischen Erziehung wird das konkurrierende Bild eines Ästhetikers des Widerspruchs immer entschiedener entgegengesetzt. In wie fern lässt sich aber die Forderung nach einer autonomen Kunst mit dem Erhabenen vereinbaren? Sind diese Begriffe dem heutigen Menschen noch ein Begriff? Auf denselben semantischen Elementen beruhend und eine Umdeutung der traditionellen Mimesis erstrebend, führen Schillers Versöhnungsaporien immer wieder zu neuen Trennungen und zu der Anerkennung der grundsätzlichen Widersprüchlichkeit des Daseins.

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4. Zum Verhältnis von Erhabenheit und Kunstautonomie

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Wie anfangs bemerkt, wird bei vielen Schiller-​Forschern die ausgesprochene Wirkungsintention, die sowohl in den Briefen über die ästhetische Erziehung, als auch in der Theorie des Erhabenen zum Ausdruck kommt, als Instrumentalisierung der Kunst und außerästhetische Lenkung der affektiven Reaktionen der Kunstrezipienten gewürdigt und als Widerspruch zum Autonomiekonzept verstanden. Jedoch ist die andere Seite der Wirkung die Anerkennung der Wichtigkeit des Adressaten. Das schillersche Konzept von Kunst verlangt einen Empfänger. Aufgabe des Künstlers ist es, die „Freiheit des Gemüts“ der Rezipienten zu bewahren. Dies wird durch die Grenzsituation des Erreichens des ästhetischen Zustands bestrebt.1229

Der Rezipient muss das Ästhetische als eine plötzliche Erscheinung, eine Epiphanie, eine Erschütterung erleben. Beim schillerschen Kunsterlebnis handelt es sich nicht um passive Einfühlung und Selbstverlust im Gefühl der Leidenschaft und der Furcht, sondern um aktive, bewusste Wiederaufnahme von sich selbst, in einem Kontext, der die Begrenzung der alltäglichen Lebensverhältnisse sprengt. Nur so kann, nach Schiller, der Mensch zu seinem Selbst und damit zu seiner Umwelt wie verwandelt zurückkehren und eine Möglichkeit zu Veränderung darstellen. Grundlegend ist dabei der Charakter der gewaltigen Grenzsituation, die den Widerspruch fühlbar macht und den Rezipienten aktiviert. Das gilt vom Erlebnis des Erhabenen, des Schönen, der Kunst und es überträgt sich auch auf die Sprache Schillers selbst: das Subjekt wird Form, die Form wird Subjekt. 1230

Es ist gerade in diesen Ausführungen Schillers, wo er die Erfahrung der...

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