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Erhabenheit und Kunstautonomie

Schillers Poetik des Unendlichen

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Sofia Avgerinou

Friedrich Schillers Stilisierung als Dichter der Versöhnung und der ästhetischen Erziehung wird das konkurrierende Bild eines Ästhetikers des Widerspruchs immer entschiedener entgegengesetzt. In wie fern lässt sich aber die Forderung nach einer autonomen Kunst mit dem Erhabenen vereinbaren? Sind diese Begriffe dem heutigen Menschen noch ein Begriff? Auf denselben semantischen Elementen beruhend und eine Umdeutung der traditionellen Mimesis erstrebend, führen Schillers Versöhnungsaporien immer wieder zu neuen Trennungen und zu der Anerkennung der grundsätzlichen Widersprüchlichkeit des Daseins.

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2. Schillers Konzeption der Kunstautonomie

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„Die Schönheit wird die Welt retten“Fjodor Dostojewskij

Schillers Positionen über die Autonomie der Kunst und über das Erhabene können auch als Facetten einen und desselben Gedankens beschrieben werden; nur eine freie Kunst, wie Schiller diese Freiheit konkretisiert, kann die Funktion des Ästhetischen ausüben, die sich nicht innerhalb des Schönen erschöpft, sondern sich auch über das Erhabene erstreckt. So ist es keine Überraschung, dass Schillers Projekt der Kunstautonomie als Bindung an das Ideal der Freiheit erscheint, und zwar der Freiheit des Künstlers und des Rezipienten, ja der Autonomie der selbst zum Subjekt gewordenen Kunst und als Versuch zur Versöhnung der Gegensätze im Menschen beginnt, um in die Aporie des unlösbaren Widerspruchs von Sittlichkeit und Sinnlichkeit zu enden, welche die Schönheit selbst als einen Machtkampf entlarvt.

Nicht immer waren die Eigenständigkeit und Eigengesetzlichkeit des Ästhetischen selbstverständlich –​ ganz im Gegenteil: das Ästhetische war zwar als empirischer Gegenstand des Gefühls und des Urteils geschätzt, das Theater galt im antiken Athen als Volkserziehung und jede Aufführung wurde vom Dichter „gelehrt“, aber es handelte sich dabei um eine in der Gesellschaft integrierte Kunst, die vom Sozialen nicht zu trennen war. Natürlich war die Kunst, vor allem die Dichtung, in der Antike hochgeschätzt, was schon die Abfassung einer Poetik von Aristoteles und eines Traktats Peri Hypsous von Longin bestätigt. Aber Platon hatte in seinem Staat eine Ideenlehre entwickelt, welche den höchsten Ideen des...

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