Show Less
Restricted access

Wirtschaft, Wissenschaft und Weltgeltung.

Die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien am Botanischen Garten und Museum Berlin (1891–1920)

Series:

Katja Kaiser

Diese Publikation untersucht die Beziehungen zwischen Wissenschaften und Kolonialismus am Beispiel der Berliner botanischen Einrichtungen. Im Fokus steht die dem Botanischen Garten und Museum angegliederte Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien. Ihre Tätigkeit bestimmte die Verknüpfung von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kolonialpolitischen Interessen. Die Studie beschreibt die Aufgabenbereiche der Botanischen Zentralstelle und die Motive der wichtigsten Akteure. Mit der Untersuchung der botanischen Netzwerke leistet sie einen Beitrag zu transimperialen Ansätzen der Kolonialgeschichtsschreibung. Exemplarische Objekt- und Sammlerbiographien widmen sich außerdem eingehend wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten und der Aufarbeitung von Provenienzen kolonialer Sammlungen.

Show Summary Details
Restricted access

II. Zooming in: Botanik und Kolonialexpansion Dachbodenfund 1 – Wardscher Kasten

Extract



Abb. 2 Wardscher Kasten im Botanischen Museum Berlin

Im Frühjahr 2010 entdeckten Mitarbeiter des Botanischen Gartens und Museums Berlin auf dem dortigen Dachboden zwischen Samenstube und Gärtnerwohnung mehrere Wardsche Kästen gleicher Bauart: Ein rechteckiges, auf vier Füßen stehendes hölzernes Bodenstück, 1,20 Meter lang und 64,5 Zentimeter breit, geht nach etwa 30 Zentimetern Höhe in einen spitzwinkligen, giebeldachartigen Aufbau über. Dieser ist an den Längsseiten fast vollständig mit Glasflächen versehen, die sorgfältig in die Holzumfassung eingekittet wurden und durch schmale hölzerne Leisten zusätzlich geschützt sind. Die Gesamthöhe eines Kastens beträgt 87 Zentimeter. Das Holz ist mit einer grauen Farbe gestrichen, ←55 | 56→um die Widerstandsfähigkeit gegen das Salzwasser auf Seereisen zu stärken und damit die im Innenraum der Kästen transportierten Lebendpflanzen zu schützen. Das Grundprinzip der zu Beginn der 1830er-Jahre von dem britischen Arzt und Botaniker Nathaniel Ward popularisierten mobilen Gewächshäuser war die Schaffung eines geschlossenen Systems, in dem Pflanzen über längere Zeit unter widrigen Außenbedingungen überleben konnten. Dafür sorgte ein stabiles Mikroklima in den fest verschlossenen Kästen, in deren mit feuchter Erde gefüllten Bodenstücken für den Überseetransport vorgesehene Pflanzen eingesetzt wurden. Die während des Tages abgegebene Feuchtigkeit kondensierte an den Glasscheiben und lief von dort wieder in die Erde ab. Dadurch bedurften die Pflanzen über Monate keiner Pflege. Ward beauftragte Schiffskapitäne und Reisende,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.