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Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

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2. Kapitel Die Elastizität der deutschen Sprache

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Weshalb die französische Alexandrinerkomödie kein großes Übersetzungsproblem darstellt11

Vorbemerkung

Das 2. Kapitel schneidet ein fundamentales Problem des Übersetzens an, worüber sogar von Philologen Vorurteile verbreitet werden. Es geht um die Frage, ob die deutsche Sprache als Instrument des Übersetzens elastisch genug sei oder überhaupt dazu gebracht werden könne, Versmaße wie die klassischen französischen Alexandriner in gutem Deutsch nachzuahmen. Bevor in den späteren Kapiteln andere Einzelprobleme des Übersetzens besprochen werden, sollte diese Frage geklärt werden. Ich beginne aber mit der noch grundlegenderen Frage, ob es möglich ist, mündliche Texte (wie Theaterstücke) über das Medium ‚Schrift‘ so weiterzugeben, dass der mediale Charakter der Mündlichkeit nicht verloren geht.

Die grundlegende These dieses Buches, soweit es um die Theorie und Methode des Übersetzens geht, stammt aus der Untersuchung der guten Dramenübersetzer von August Wilhelm Schlegel bis zu Frank Günther: Es geht nicht um die Übersetzung der Grammatik oder Lexik, sondern um die Übersetzung der Rhetorik im Text, die vor allem im Stil (als Deklamationsprogramm eines Textes) verkörpert ist.

Literatur, besonders die dramatische und erzählende, ist ein Versuch, durch und gegen das Medium Schrift eine bestimmte Art der Mündlichkeit zu evozieren und im Text weiterzugeben. Es geht dem Schriftsteller – und vor allem dem Dramatiker – um die Herstellung einer bestimmten rhetorischen Gestaltung. Das Ziel des Bühnenübersetzers sollte daher die Weitergabe der Mündlichkeit des ←27 | 28→Originals sein;...

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