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Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur

Martin Becker

Physische Gewalt ist ein häufiges Motiv in der Literatur. Diese Publikation untersucht die wichtigsten Elemente von Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur und ordnet sie im ersten Teil typologisch. Der zweite Teil widmet sich emotionalen Wirkungspotenzialen von Gewaltdarstellungen und untersucht, wie Gewaltdarstellungen Sympathie, Ekel, Spannung und Komik erzeugen. Der dritte Teil identifiziert an vier Beispielromanen wichtige Themen, die mit den Gewaltdarstellungen verbunden werden. Anhand von Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin, Cormack McCarthys Blood Meridian, Bret Easton Ellis‘ American Psycho und Roberto Bolaños 2666 wird gezeigt, dass zeitgenössische Gewaltdarstellungen die Kritik von Gesellschaftsstrukturen und Kontexten von Gewalt mit Sprachreflexion verbinden.

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4 Darstellungsarten

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Im vorangegangen Kapitel wurde für die Perspektive bereits festgestellt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, wer die Geschehensmomente auswählt. Daneben ist es bedeutsam, wie konkret und ausführlich die Gewalthandlung beschrieben wird, da sich aus verschiedenen Darstellungsarten ganz unterschiedliche Effekte ergeben können. Bei der Frage der Darstellungsart geht es darum, mit wie vielen und welchen Eigenschaften die ausgewählten Momente versehen werden.

Wolf Schmid geht in Elemente der Narratologie davon aus, dass die Frage der Ausführlichkeit einer Darstellung eng verknüpft ist mit der Selektion der Geschehensmomente, die die Geschichte bilden:

Wenn für eine Episode der Geschichte relativ viele Momente gewählt und die Momente in vielen Eigenschaften konkretisiert sind, erscheint die Darstellung gedehnt und langsam. Wenn aber relativ wenige Momente und Eigenschaften gewählt sind, erscheint die Darstellung gerafft und das Erzählen schnell.132 [Hervorhebungen im Original]

Dehnung und Raffung als relative Begriffe133 sind damit ein erster wichtiger Aspekt, den es hinsichtlich der Darstellung zu untersuchen gilt. Dies ist insbesondere dann zentral, wenn sich das Erzähltempo zwischen Gewaltdarstellung und restlichem Text unterscheidet.

Gedehnte Darstellungen von Gewalt enthalten demnach viele Details und stellen die Handlung zum Beispiel in ihrem Ablauf dar. Geraffte Darstellungen von Gewalt fassen die Handlung zusammen, präsentieren das Ergebnis der Gewalteinwirkung oder deuten im Extremfall die Gewalt nur an. Bei einer solchen Andeutung oder Auslassung handelt es sich um einen Grenzfall, weil die Gewalt dann ja gerade nicht zur Darstellung...

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