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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Viertes Kapitel: Die Hochkonjunktur des Polytheismus91:: Odo Marquards ‚Lob des Polytheismus‘

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Im Bereich des Philosophischen wird das Unbehagen am Monotheismus in zwei Momenten zum Ausdruck gebracht. Der eine betrifft die Begegnung der biblischen Religion mit der Philosophie der Griechen in der hellenistischen Kultur. Der andere betrifft die neuzeitliche Krise der Geschichte und der Geschichtsphilosophie.

In Bezug auf die Diskussion ‚Monotheismus und Polytheismus‘ hebt K. van der Toorn (1995 S. 689) hervor, wie schwierig es ist, die griechischen philosophischen Kategorien bei biblischen Aussagen anzuwenden. Aber gerade durch das Zusammenkommen und die Kontamination von biblischem Glauben und griechischer Philosophie sind Prozesse entstanden, die heute Grund für das Unbehagen am Monotheismus sind.

Zunächst geht es um die unterschiedlichen Kategorien, in denen biblischer Glaube und griechische Philosophie dem Religiösen begegnen.

Die Bibel beschäftigt sich mit geschichtlichen Erfahrungen und deren Erzählung, die Philosophie hingegen mit meta-historischer Realität und mit ausschließlicher Hilfe der ratio. (Y. Amir, 1978 und 1987 S. 5875) So entstehen z. B. die Begriffe der Einheit = unitas (J. Amstutz, 1968 S. 52–62; L. A. Montes-Peral, 1987 S. 86–98; siehe die Auslegung von Dtn 6,4b bei Thomas von Aquin, 1260 Summa contra gentiles I 42; 1273 Summa theologica I q.11, a.3) und Einfachheit (W. Pannenberg, 1959 S. 10–11, 33–34, 121–122) in der griechischen Kulturwelt und lassen sich nicht mit der religiösen Erfahrung der Bibel in Zusammenhang bringen. Es geht hier um das Unbehagen, das auch die phänomenologische Philosophie der Metaphysik gegenüber hervorgehoben hat,...

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