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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Achtes Kapitel: Das Selbst und die bedingte Negation

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„Der Stufe von Animus-Anima entspricht der Polytheismus, das Selbst aber dem Monotheismus“. C.G. Jung, Aion (GW IX/II § 427 S. 283).

In der Psychologie C.G. Jungs spielt die Idee des Selbst, neben der Idee der Archetypen und des kollektiven Unbewussten eine wesentliche Rolle. In seinem Werk Aion352 hat er „den Versuch gewagt, den für unsere gegenwärtige Einsicht wichtigsten Archetypus, nämlich den des Selbst, in verschiedener Hinsicht zu klären und zu amplifizieren“. (C.G. Jung, GW IX/2 § 422 S. 281)

Diesbezüglich war Jung gefordert, zwischen wissenschaftlichen einerseits und philosophisch-theologischen andererseits neue Begriffe zu schaffen, um den Tatbestand, der sich aus der Beschäftigung mit dem Unbewussten zeigte, beschreiben zu können.353

Neben den umfassenderen Begriffen vom kollektiven Unbewusst und Archetypen hat Jung andere spezifischere Begriffe für die Struktur des Psychischen eingeführt, wie diejenigen von Schatten, Animus und Anima, deren Wichtigkeit aus der Tatsache entsteht, dass sie „am häufigsten und intensivsten das Ich beeinflussen respektive stören“. (C.G. Jung, GW IX/2 §13 S. 17)

Mit ‚Schatten‘ meint Jung die dunklen Aspekte der Persönlichkeit, die aus den Inhalten des persönlichen Unbewussten sich Erschließen lassen aber auch andere aus dem kollektiven Unbewussten. Inhalte, die willkürlich oder unwillkürlich bewusst werden können, und andere, die sogar nicht bewusstseinsfähig sind, die aber doch Wirkung spüren lassen (vgl. C.G. Jung, GW IX/II § 4 S. 13). Es ist damit nicht eine feste Entität bezeichnet, sondern eine...

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