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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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9. Gemeinsame Standpunkte zwischen Albert und Gadamer? Eine kritische Würdigung im Lichte ihres Briefwechsels

Kapitel 9

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Giuseppe Franco1

Eine besondere Tendenz, die in der Philosophie des 20. Jahrhunderts zu beobachten ist, besteht in einer von beiden Seiten kommenden Annäherung zwischen epistemologischen und hermeneutischen Denktraditionen. Dabei geht es um Rückgewinnung und Wiederberücksichtigung von einerseits wissenschaftstheoretischen Themen innerhalb der hermeneutischen Reflexion und andererseits von Aspekten der hermeneutischen Tradition innerhalb der Wissenschaftstheorie (Franco 2019b; Ferraris 1987; Antiseri 1982/2004; Schulz 2004; Mura 2002; Velasco Gómez 1995; 1998).

In diesem Zusammenhang habe ich in einer früheren Arbeit (Franco 2012a) eingehend aufgezeigt, dass Karl Poppers und Hans Alberts Ideen den gegenständlichen und methodologischen Separatismus zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überwunden haben und dass die Epistemologie des Kritischen Rationalismus auch als Methode der Interpretation eines Textes infrage kommt; denn auch dabei kann man die kritisch-rationale Problemlösungsmethode anwenden. In dieser Hinsicht konnten einige Gemeinsamkeiten mit der philosophischen Hermeneutik von Hans-Georg Gadamer beleuchtet und analysiert werden. Auf der Grundlage eines detaillierten Vergleichs ihrer Auffassungen und einiger Aspekte bezüglich der Rezeption ihres Denkens wurden einerseits die epistemologischen Forderungen und Implikationen von Gadamers Hermeneutik und die methodologischen, in seinem Zirkel des Verstehens enthaltenen Konsequenzen hervorgehoben und expliziert. Anderseits, aufgrund der historischhermeneutischen Wende durch Popper und der methodologischen Komponente von Gadamers hermeneutischer Reflexion, wurde zu zeigen versucht, wie auf der methodologischen Ebene und in Bezug auf die philosophischen Voraussetzungen der Methodologie sowohl Popper als auch Gadamer unerwartete konvergente Auffassungen haben.

Zentrales Anliegen der Arbeit war auch das Ausräumen wechselseitig bedingter Missverständnisse zwischen den...

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