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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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10. Hans Alberts innovative Version des kritischen Rationalismus. Sozialtheorie jenseits von „konservativer Starrheit“, „Konsensus-Euphorie“ und „revolutionärer Begeisterung“

Kapitel 10

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Arpad-Andreas Sölter

„Fragen der Interpretation früherer Philosophen interessieren mich wenig, wenn man dabei nichts für die Lösung heutiger Probleme lernen kann.“ (Hans Albert)2

Hans Alberts Anliegen im Sinne der Aufklärung ist „die Befreiung - die Emanzipation - der Individuen“.3 Gegen „restaurative und illiberale Tendenzen“, gegen jeden Fundamentalismus, Kollektivismus, gegen totalitäre Ordnungen, geschlossene Gesellschaftsformen und Ideologien, die diese mit hermetischen Denksystemen tragen, kurz, gegen die Aushöhlung und Zerstörung der Demokratie von innen wie außen bietet Alberts Denken wirksame Gegenmittel.4 In Zeiten sich verschärfender Konkurrenz zwischen liberalen versus autoritären, despotischen Systemen plädiert er für Sozialordnungen der Freiheit.

Der folgende Aufsatz behandelt Alberts Fortentwicklung des Kritischen Rationalismus, insbesondere auf dem Feld der Sozial- und Kulturtheorie sowie der politischen Philosophie, exemplarisch dargestellt im Kontrast zu den Analysen seiner Antipoden Martin Heidegger („Seinsvergessenheit“)5 und Jürgen Habermas („Kolonialisierung der Lebenswelt“).6 Obwohl die Unterschiede zwischen ihnen beträchtlich sind, da Habermas im Gegensatz zum Nationalsozialisten Heidegger als ein „demokratisch orientierter Kulturkritiker“7 betrachtet werden darf, sind beide dem übergeordneten kulturkritischen Paradigma zuzuordnen. Denn auch

Habermas ist es nicht gelungen, sich dem Sog dieses Mahlstroms vollständig zu entwinden. Zwar steht er wie zuvor Adorno der „bürgerlichen Kulturapologetik“8 ohne Zweifel kritisch gegenüber, aber nicht kritisch genug: Linke Kulturkritik teilt mit der rechten „fast alle argumentativen Topoi.“9

Hans Albert, der sich aus dem Bann Spenglers und dessen...

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