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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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12. Kreativität, Fantasie und geistige Offenheit im Kontext des Kritischen Rationalismus

Kapitel 12

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Eric Hilgendorf

„Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)

„Der kritische Rationalismus ist die Basiskultur par excellence für Innovationen“ heißt es in einer neueren Publikation zur Psychologie von Kreativität und Innovation.1 In der Tat dürfte es keine andere Denkschule geben, welche der Fantasie einen so hohen Stellenwert einräumt. Im nachfolgenden Essay sollen die Bedeutung von Kreativität und Fantasie im Kritischen Rationalismus skizziert werden, wobei, den Forschungsschwerpunkten des Verfassers entsprechend, auch die Rechtswissenschaft in die Betrachtung einbezogen wird. Anschließend werden einige gesellschafts- und rechtspolitische Folgerungen angedeutet.

Zu den wesentlichen Positionen des Kritischen Rationalismus gehört, dass es kein sicheres Wissen geben kann, weder in den Natur- und empirischen Sozialwissenschaften noch auf dem Gebiet, das traditionell als „Geisteswissenschaften“ bezeichnet wird. Jeder Versuch einer „letzten“ Begründung führt in das bekannte Münchhausen-Trilemma: „Alle Sicherheiten in der Erkenntnis (sind) selbst fabriziert und damit für die Erfassung der Wirklichkeit wertlos“, schreibt Hans Albert.2 Allerdings können wir „uns stets Gewissheit verschaffen, indem wir irgendwelche Bestandteile unserer Überzeugungen durch Dogmatisierung gegen jede mögliche Kritik immunisieren und sie damit gegen das Risiko des Scheiterns absichern“.3 Eine auf diesem Weg gewonnene Sicherheit ist jedoch wertlos: „Die Einsicht, dass alle Gewissheit in der Erkenntnis selbst-fabriziert, radikal subjektiv und damit für die Erfassung der Wirklichkeit ohne Bedeutung ist, dass man Gewissheit nach Bedarf herstellen kann, wenn man sich nur entschließt, die betreffende Überzeugung gegen alle m...

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