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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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16. Robustheit und Approximation in der Ökonomie

Kapitel 16

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„A judgment about the success of an empirical approximation to a tautological theory is ultimately a matter of aesthetics.” (Leamer 1984, S. xvi)

Vor etwa sechzig Jahren kritisierte Hans Albert (1959, 1963) den Modellplatonismus in der Ökonomie, also den Versuch, theoretische ökonomische Modelle gegen empirische Kritik zu immunisieren. Man könnte meinen, dass diese Kritik heute nicht mehr berechtigt ist. In der Ökonomie ist von einer „empirischen Wende“ seit den 1970er Jahren die Rede oder vom „Zeitalter der angewandten Ökonomie“. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den 1970er Jahren erscheint als Periode einer ungewöhnlichen Dominanz der reinen Theorie, die inzwischen überwunden ist.1

Nach heutigem Verständnis formulieren Ökonomen Modelle, um soziale Vorgänge vorherzusagen oder zu erklären. Ein Modell ist eine Liste von Annahmen, aus denen Folgerungen über die interessierenden Vorgänge hergeleitet werden können. Die Modelle müssen empirisch überprüft werden. Dazu werden die Folgerungen mit entsprechenden Beobachtungen konfrontiert. Wenn die Folgerungen mit den Beobachtungen nicht übereinstimmen, dann wird das Modell verworfen oder modifiziert. Stellt man dagegen fest, dass die Folgerungen zutreffen, dann kann das Modell vorläufig beibehalten werden. Modelle, die einer solch empirischen Überprüfung standgehalten haben, werden als Erklärung für die betreffenden Vorgänge angesehen und können für Prognosen und zur Herleitung von Handlungsempfehlungen herangezogen werden.

Das scheint zunächst ganz gut zum kritischen Rationalismus zu passen: Modelle als Vermutungen, die durch empirische Überprüfungen falsifiziert und damit (vorläufig)...

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