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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

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Ulrich Vollmer

Carl Clemen (1865–1940) nimmt in der Forschungsgeschichte der Religionswissenschaft einen besonderen Platz ein. Er war der Erste, der das Fach in Deutschland nicht an einer Theologischen, sondern an einer Philosophischen Fakultät vertreten hat. Dieses Buch zeichnet seinen Weg von der Theologie und der Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu einer historisch-philologisch arbeitenden Religionswissenschaft nach. Vor dem Hintergrund der internationalen Fachgeschichte stellt der Autor seine Beiträge sowohl zur Erforschung einzelner Religionen als auch zur Klärung systematischer Fragestellungen vor. Abschließend verfolgt er seine Tätigkeit nach der altersbedingten Emeritierung im Jahr 1933, die ihn als einen konsequenten Gegner des Nationalsozialismus ausweist.

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2 Theologie und Religionsgeschichte

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Carl Clemen hat – offensichtlich im Hinblick auf die Praxis des gemeinschaftlichen Totengedenkens bei den ehemaligen Schülern der Fürstenschule – noch zu Lebzeiten einen Lebenslauf verfasst, in dem er von sich in der 3. Person sprach. Sein Bruder Otto hat diesen Lebenslauf einem von ihm verfassten Nachruf vorangestellt. Hier gab Carl Clemen unter anderem auch einen Überblick über seine Veröffentlichungen und schrieb: „Als Theolog [sic] verfaßte er außer Schriften über einzelne Probleme besonders folgende Werke: Paulus (1904), Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments (1909), auch ins Englische übersetzt, Die Entstehung des Johannesevangeliums (1912).“1 Daran schlossen sich einige Titel an, die er „als Religionshistoriker“ veröffentlicht hat. Carl Clemen selber unterschied hier also seine Tätigkeit als Theologe von der als Religionshistoriker. Ähnlich – hier aber auf das Schrifttum bezogen – listete ein von ihm erstelltes handschriftliches und fünf Seiten umfassendes Verzeichnis seiner wichtigsten Veröffentlichungen bis etwa 1913/14, das sich in seiner Bonner Personalakte befindet, zunächst „Religionsgeschichtliche Arbeiten von Prof. C. Clemen“ auf,2 an die sich „Theologische Arbeiten […]“ anschlossen.3

Eine derartige Unterscheidung ist augenscheinlich leicht nachzuvollziehen; sie erweist sich aber als nicht unproblematisch, wenn man folgenden Umstand bedenkt: Die Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments aus dem Jahr 1909 firmierte im Lebenslauf unter dem Label „[a]‌ls Theolog[e]“, während sie in dem Verzeichnis der „Religionsgeschichtliche[n] Arbeiten“ an ←115 | 116→zweiter Stelle aufgelistet ist! Dort steht an erster Stelle Die religionsgeschichtliche Methode in der Theologie.4 Hierbei handelt es sich um die...

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