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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

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Ulrich Vollmer

Carl Clemen (1865–1940) nimmt in der Forschungsgeschichte der Religionswissenschaft einen besonderen Platz ein. Er war der Erste, der das Fach in Deutschland nicht an einer Theologischen, sondern an einer Philosophischen Fakultät vertreten hat. Dieses Buch zeichnet seinen Weg von der Theologie und der Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu einer historisch-philologisch arbeitenden Religionswissenschaft nach. Vor dem Hintergrund der internationalen Fachgeschichte stellt der Autor seine Beiträge sowohl zur Erforschung einzelner Religionen als auch zur Klärung systematischer Fragestellungen vor. Abschließend verfolgt er seine Tätigkeit nach der altersbedingten Emeritierung im Jahr 1933, die ihn als einen konsequenten Gegner des Nationalsozialismus ausweist.

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6. Die vielen Schüler und der eine Nachfolger

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Obwohl Carl Clemen mehr als 40 Jahre als akademischer Lehrer gewirkt und zahlreiche Schüler gehabt hat, war es ihm nicht vergönnt, eine förmliche Schule zu gründen. Bedingt durch seine Position als Privatdozent ist zunächst seine Mitarbeit an theologischen Prüfungen lediglich in einem einzigen Fall in Halle nachweisbar. In dem 1899 durchgeführten Promotionsverfahren des späteren Greifswalder praktischen Theologen Karl Dunkmann erscheint Clemen neben dem damals Dritten Hallenser Domprediger Lic. August Lang als Opponent,1 eine Aufgabe, die in anderen Fällen auch Kandidaten oder sogar Studenten der Theologie wahrgenommen haben.

Clemens Stellung änderte sich grundlegend, als er 1910 von der Evangelisch-Theologischen in die Philosophische Fakultät gewechselt war. Wiederholt hat er später auf seine vielfältige Prüfungstätigkeit und auf die stattliche Absolventenschar hingewiesen, die ihm freilich auch ein besonderes Maß an Arbeit bereitet hat.2 In einem Schreiben an den „Herrn Reichs- und Preussischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“ aus dem Jahr 1935 heißt es:

Im Laufe der Zeit sind aus dem Seminar 37 Doktorarbeiten hervorgegangen, während mehr als doppelt so viel Herren oder Damen Religionsgeschichte als Nebenfach im Doktor- und einige auch als Zusatzfach im Examen für Lehrer an höheren Schulen gewählt haben. So ist in Bonn eine gewisse Tradition geschaffen worden.3

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Die von Carl Clemen hier angesprochene Bonner Tradition hat freilich auch Skeptiker auf den Plan gerufen. In einem Schreiben, das uns...

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