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Begehren, Angst – und nüchterne Vernunft: Epikureische Psychologie und Ethik nach griechisch-römischen Texten

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Christoff Neumeister

Ausgewählte Passagen aus Texten griechischer und römischer Autoren führen die Grundgedanken der epikureischen Psychologie und Ethik vor. Deren zentrale Themen waren zum einen die verschiedenen Formen menschlichen Begehrens einschließlich des Sexuellen, zum anderen rationale und irrationale Ängste sowie der vernünftige Umgang mit ihnen. In diesem Zusammenhang entstand auch eine eigene Theorie der Wahrnehmung und Begriffsbildung, des Erkennens und des Handelns. Außerdem entstand eine detaillierte Rekonstruktion der Entwicklung, die die Menschheit in sozialer und technischer Hinsicht durchlaufen haben könnte. Dabei wurde der Herausbildung der menschlichen Sprachfähigkeit eine besonders wichtige Rolle zugewiesen. Das Buch möchte den Systemcharakter dieser Philosophie deutlich machen, soll aber auch der nichtfachlichen Leserschaft durch Neuübersetzungen einen Eindruck von der hohen literarischen Qualität der zum großen Teil dichterischen Quellentexte vermitteln.
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1. Gemeinsames Philosophieren im Athener Vorstadtgarten

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Epikur, 341 oder 340 als Sohn eines athenischen Kleruchen auf Samos geboren, war wie gesagt dadurch auch selbst Bürger der Stadt und deshalb verpflichtet, als Ephebe (d.h. vor Erreichung des Mannesalters) zwei Pflichtjahre in der Metropole abzuleisten. Diese sogenannte „Ephebie“ diente der sportlichen und militärischen Ertüchtigung, der politischen Erziehung und der Einführung in die religiösen Bräuche der Vaterstadt. Aber gerade als er sie, 18jährig, dort ableistete, kam es zu jenem Ereignis, dessen Konsequenzen die gesamte Folgezeit entscheidend bestimmen sollte: Alexander der Große, Herrscher des allein durch seine überragende Persönlichkeit zusammengehaltenen makedonischen Großreiches, starb 321, gerade erst dreiundzwanzig. Athen versuchte daraufhin zusammen mit einigen anderen griechischen Städten die dadurch entstandene Situation auszunutzen, um sich von der makedonischen Vorherrschaft zu befreien, musste sich jedoch nach mehreren militärischen Niederlagen geschlagen geben. Als Folge davon verlor es u. a. auch seine Herrschaft über Samos. Die athenischen Kleruchen wurden vertrieben, ihr Land den ursprünblichen Besitzern zurückgegeben, und der junge Epikur verlor so, abwesend, die Heimat seiner Kindheit und frühen Jugend. Nach Samos konnte er nicht mehr zurückkehren, sondern begab sich nach Kolophon, einer kleinen Stadt im küstennahen kleinasiatischen Binnenland, wohin sich seine Eltern und seine drei Brüder geflüchtet hatten.

Es begannen nun die sogenannten „Diadochenkriege“, in denen die Generäle Alexanders sich um die Vorherrschaft in den verschiedenen Teilen des riesigen Reiches stritten. Die Bewohner der davon betroffenen Städte und Landschaften waren dem...

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