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Begehren, Angst – und nüchterne Vernunft: Epikureische Psychologie und Ethik nach griechisch-römischen Texten

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Christoff Neumeister

Ausgewählte Passagen aus Texten griechischer und römischer Autoren führen die Grundgedanken der epikureischen Psychologie und Ethik vor. Deren zentrale Themen waren zum einen die verschiedenen Formen menschlichen Begehrens einschließlich des Sexuellen, zum anderen rationale und irrationale Ängste sowie der vernünftige Umgang mit ihnen. In diesem Zusammenhang entstand auch eine eigene Theorie der Wahrnehmung und Begriffsbildung, des Erkennens und des Handelns. Außerdem entstand eine detaillierte Rekonstruktion der Entwicklung, die die Menschheit in sozialer und technischer Hinsicht durchlaufen haben könnte. Dabei wurde der Herausbildung der menschlichen Sprachfähigkeit eine besonders wichtige Rolle zugewiesen. Das Buch möchte den Systemcharakter dieser Philosophie deutlich machen, soll aber auch der nichtfachlichen Leserschaft durch Neuübersetzungen einen Eindruck von der hohen literarischen Qualität der zum großen Teil dichterischen Quellentexte vermitteln.
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14. Die Götter Epikurs

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Wir haben in Kapitel 12 besprochen, wie Lukrez in einem Abschnitt seines Lehrgedichtes (V 1161–1240, im Folgenden immer als Text 1 bezeichnet) sich das Entstehen der Gottesvorstellung erklärt. Danach sind den Menschen zu allen Zeiten immer wieder im Schlaf, manchmal aber auch im Wachen menschengestaltige, aber übermenschlich große Wesen erschienen, denen sie dann Bewusstsein (sensus), Sprachvermögen (voces), ewiges Leben (vitam aeternam) und unüberwindliche Kräfte (vires) zuschrieben, und insgesamt infolgedessen auch außergewöhnliches Glück (fortunas longe praestantes). Sie nannten sie „Götter“, und nahmen zusätzlich dann auch noch an, dass sie die Urheber gewisser unerklärlicher Himmelserscheinungen seien und außerdem die Fähigkeit besäßen, zornig oder wohlwollend in das Leben der Menschen einzugreifen.

Wie äußert Epikur selbst sich dazu? Das können wir einem Abschnitt gleich am Anfang seines Briefes an Menoikeus entnehmen, in dem er seinem Adressaten als ein erstes „Element glücklichen Lebens“ ans Herz legt (Ep. Men. 123 f., im Folgenden immer als Text 2 bezeichnet),1

… Gott für ein unvergängliches und glückseliges Wesen zu halten, entsprechend der allgemeine Gottesvorstellung. Und schreibe ihm nichts der Unvergänglichkeit Fremdes und der Glückseligkeit Unangemessenes zu. Alles aber, was imstande ist, ihm diese mit Unvergänglichkeit verbundene Glückseligkeit zu erhalten, das nimm von ihm an. Götter gibt es nämlich. Das Wissen um sie ist nämlich evident. So, wie die Menge sie sich vorstellt, sind sie allerdings nicht:...

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