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Motive der Literatur der Renaissance und die Renaissance als literarisches Motiv

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Wolfgang Beutin

Ein erster Untersuchungsgegenstand dieses Buches sind die Vorstellungen, was die Renaissance sei, wie sie von Autoren des Zeitalters selber stammen und aus der späteren Forschung. Außerdem wird eine Übersicht über die dominierenden Motive angelegt, die sich im Renaissance-Schrifttum nachweisen lassen. Der Abschnitt „die Renaissance als literarisches Motiv" ist der Renaissance-Rezeption vom 17. bis zum 20. Jahrhundert gewidmet, dessen Kennzeichen der Gegensatz der affirmierenden und der negierenden Renaissance-Rezeption ist. Die ‚Revolutionen des Geistes‘ und ihnen verwandte Bewegungen erklärten sich gern zu Erben der Renaissance, wohingegen die Verfechter des Konservatismus aller Art sich der Renaissance entgegenstemmten und in Ablehnung der mit ihr aufgekommenen Ansichten einander überboten.

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Einführung

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Der Renaissance-Begriff kam in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Umlauf1. Maßgebend dafür waren zwei schriftstellerische Werke:

– von Jules Michelet (1798–1874) der 7. Teil seiner „Histoire de France“ u. d. T. „Histoire de France au seizième siècle“ (1855), der den Untertitel führt: „Renaissance“. Wie die Zeitangabe verrät, setzte der Verfasser den Akzent aufs 16. Jahrhundert, mit Bezug auf die in diesem und in den Folgedekaden gelingenden naturwissenschaftlichen Entdeckungen am Boden und am Himmel (Columbus, Kopernikus, Galilei) sowie auf die Erforschung des menschlichen Wesens, wofür er, der französische Autor, herausragende französische Autoren nominierte, darunter Rabelais und Montaigne, außerdem aber auch Shakespeare und Cervantes, allesamt Dichter, welche eingedrungen seien in den „mystère moral“ des Menschen;2

– von Jacob Burckhardt (1818–1897) seine historische Schrift „Die Kultur der Renaissance in Italien“ (1860). Sie gilt bis heute als das wirkungsmächtigste Buch der Renaissanceforschung; es „beeinflußte entscheidend sowohl die Geschichtswissenschaft als auch das heutige Allgemeinverständnis für jene Zeit. Zwar focht die Geschichtswissenschaft des 20. Jh.s einige Einzelinterpretationen B.s an, das von ihm geprägte Renaissancebild konnte sich jedoch im Ganzen behaupten.“ (Rachum, S. 85)3 Burckhardt versäumte nicht, sich mit seinen Ausführungen der Linie Michelets anzuschließen, wie das z. B. der berühmte 4. Abschnitt seiner Darstellung erweist, den er unter die Überschrift stellte: „Die Entdeckung der Welt und des Menschen“ (S. 261–331).

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