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Psalm Salomo 14

Text, Tradition und Komposition einer frühjüdischen Dichtung

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Sven Behnke

Die Psalmen Salomos (PsSal) zählen zu den wichtigsten Zeugen jüdischer Literatur und Theologie des ersten Jahrhunderts v. Chr. Die Studie zeichnet die Forschungsgeschichte dieser nicht kanonisch gewordenen Sammlung nach und skizziert deren Gesamtkomposition. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine traditions- und kompositionsgeschichtliche Analyse der Lehrdichtung PsSal 14. In weisheitlicher Manier kontrastiert PsSal 14 Lebenswandel und Schicksal von Frommen und Sündern und nimmt dabei Ps 1 im Licht weiterer biblischer Traditionen und Motive interpretierend auf. PsSal 14 erweist sich als ein frühes Beispiel der literarischen Rezeption von Ps 1, das ebenso traditionsgebunden wie innovativ ist und ein klares theologisches Programm besitzt.

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1. Einleitung

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„Wer das apocryphische Buch Enochs, das Testament der 12 Patriarchen und den Psalter Salomons […] gelesen hat, weis, was es für ein langweiliges, wässerigtes, unordentliches Gewäsche ist. Ists wohl Verdienst, so schlechte Produkte einfältiger Betrüger aufzutischen?“1

Die Stimme dieses unbekannten Rezensenten der Nürnbergischen Gelehrten Zeitung aus dem Jahr 1776 ist nur eine im großen Chor derer, die – noch weit über das 18. Jahrhundert hinaus – die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Beschäftigung mit der apokryphen Literatur des antiken Judentums stellten.2 Sie zeugt nicht nur von einer Geringschätzung der literarischen Qualität der genannten Schriften, sondern entlarvt sie darüber hinaus als die Werke „einfältiger Betrüger“. Während die moderne Forschung zur apokryphen Literatur des Alten Testaments den Rezensenten von damals heute sowohl über den ästhetischen Wert als auch die immense religions- und theologiegeschichtliche Bedeutung jener Texte zu belehren hätte, so müsste sie ihm doch zumindest in der Feststellung beipflichten, dass die Schriften – nun ohne Polemik formuliert – pseudepigraphen Charakter haben, d.h. nicht auf die Hand der biblischen Gestalten zurückgehen, von denen ihre Titel vorgeben zu stammen. In dieser Hinsicht erweist sich auch der frühe Kritiker der Erforschung des außerkanonischen Schrifttums jüdisch-hellenistischer Zeit als sachkundig. Sein Einwurf basiert bereits auf ←15 | 16→ersten historisch-kritischen Erkenntnissen zur apokryphen Literatur3 und ist unmittelbare Reaktion auf ein im 18. Jahrhundert vermehrt aufkommendes Forschungsinteresse an jenem Schrifttum, das sich ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20....

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