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Psalm Salomo 14

Text, Tradition und Komposition einer frühjüdischen Dichtung

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Sven Behnke

Die Psalmen Salomos (PsSal) zählen zu den wichtigsten Zeugen jüdischer Literatur und Theologie des ersten Jahrhunderts v. Chr. Die Studie zeichnet die Forschungsgeschichte dieser nicht kanonisch gewordenen Sammlung nach und skizziert deren Gesamtkomposition. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine traditions- und kompositionsgeschichtliche Analyse der Lehrdichtung PsSal 14. In weisheitlicher Manier kontrastiert PsSal 14 Lebenswandel und Schicksal von Frommen und Sündern und nimmt dabei Ps 1 im Licht weiterer biblischer Traditionen und Motive interpretierend auf. PsSal 14 erweist sich als ein frühes Beispiel der literarischen Rezeption von Ps 1, das ebenso traditionsgebunden wie innovativ ist und ein klares theologisches Programm besitzt.

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6. Psalm Salomo 14 als „rewritten Scripture“

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Es wurde bereits gezeigt, dass PsSal 14 als Neudichtung von Ps 1 beschrieben werden kann. Bevor die Frage gestellt wird, ob der Begriff der Neudichtung auch zur Gattungsbeschreibung des Textes eignet, soll geprüft werden, ob sich PsSal 14 der Kategorie der „rewritten Scripture“-Literatur zurechnen lässt.

Der Terminus „rewritten Scripture“ ist aus der Diskussion um den Begriff „rewritten Bible“ erwachsen, der an dieser Stelle zuerst Beachtung finden soll. Die Bezeichnung „rewritten Bible“ geht zurück auf eine Studie von Géza Vermès aus dem Jahr 1961, in der der Verfasser, seine Beobachtungen zum spätmittelalterlichen Midrasch Sefer ha-Jaschar zusammenfassend, festhält:

„Finally, this examination of the Yashar story fully illustrates what is meant by the term ,rewritten Bible‘. In order to anticipate questions, and to solve problems in advance, the midrashist inserts haggadic development into the biblical narrative – an exegetical process which is probably as ancient as scriptural interpretation itself. The Palestinian Targum and Jewish Antiquities, Ps.-Philo [Pseudo-Philo] and Jubilees, and the recently discovered ,Genesis Apocryphon‘ […], each in their own way show how the Bible was rewritten about a millenium before the redaction of Sefer ha-Yashar.“968

Nach Vermès steht der mittelalterliche Text des Sefer ha-Jaschar in der Art und Weise wie er kanonische Texte aufnimmt, interpretiert und weiterentwickelt in einer Linie mit den genannten Texten der hellenistisch-römischen Zeit. Der von Vermès in den wissenschaftlichen Diskurs eingebrachte Terminus „rewritten Bible“ erweist sich zur Beschreibung und Klassifikation zahlreicher j...

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