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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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2. Schülersprachen und Schulsprache

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Mit der Beobachtung von Peer-Gesprächen im Schulkontext wird mit dieser Arbeit ein spezifischer institutioneller Teilbereich von Schülersprachen in den Blick genommen. Als wichtiger Schauplatz für Jugendsprachen stellen Gespräche in der Schule neben den Domänen Familie, Freizeit und Medien einen bedeutenden Bereich des kommunikativen Erlebens von Jugendlichen dar. Schülersprachen treten – betrachtet man sie als soziolinguistische Teildomäne von Jugendsprachen – innerhalb wie außerhalb der Schule auf. Neuland / Balsliemke / Baradaranossadat (2012: 394) grenzen den Terminus Schülersprache vom „Sprachgebrauch von Lehrlingen, jungen Arbeitern und Angestellten oder auch von Studierenden“ ab. Auch Grundschüler nehmen sie als „noch Nicht-Jugendliche“ aus (ebd.). Die Unterkategorie Schülersprache zielt auf die begriffliche Abgrenzung des Sprachgebrauchs von Schülerinnen und Schülern in formellen und informellen Kontexten als soziale Gruppe (vgl. Spiegel 2017: 403f.).

Das folgende Kapitel gibt zunächst einen Überblick über Jugendsprachen als Forschungsgegenstand in unterschiedlichen Domänen, bevor der Sprachgebrauch innerhalb der Institution Schule als zentrales Handlungsfeld von Schülersprachen behandelt werden soll. Insbesondere in der schulischen Kommunikation zeichnen sich Praktiken und Routinen z.T. durch jahrelange gemeinsame Interaktionsgeschichten in der Schulklasse, im Lehrerkollegium und in der Lehrer-Schüler-Interaktion aus (vgl. Breidenstein 2006: 18).

Öffentliche Wahrnehmungen zum Phänomen Jugendsprache bewegen sich zumeist zwischen zwei Polen. Zum einen werden sprachkritische Vorbehalte und Befürchtungen eines Sprachverfalls durch Jugendsprache geltend gemacht, die heute auch vor dem Hintergrund des angeblich verderblichen Einflusses computervermittelter Interaktion und/oder einer zunehmend mehrsprachigen Gesellschaft vorgetragen werden. Warnungen vor Jugendlichen als...

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