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Die Flugschriften der Frühreformation aus Nord- und Nordwestböhmen

Ihr Wesen und ihr Bezug zu Wittenberg

Jiří Černý

Die Produktion von deutschen Flugschriften erreichte in den 1520er Jahren auch in Nord- und Nordwestböhmen ihren Höhepunkt. Die Druckwerke der dortigen evangelischen Elite zeigen, wie diese sich an der öffentlichen Debatte um das Gemeinwohl beteiligte, zugleich aber regionale Streitfragen ins Spiel brachte. Das Buch klärt die Entstehungszusammenhänge und Besonderheiten einzelner Druckschriften und beschäftigt sich mit den literarischen und medialen Strategien, die für diese Werke prägend waren und die zum Teil von der zeitgleichen Produktion in Wittenberg abhingen. Es werden Selbstzuschreibungen und Fremdwahrnehmungen untersucht, über die sich die Identität der evangelisierten Gemeinden und ihrer Sprecher konstituierte. Des Weiteren fragt der Autor nach der Funktion dieser Schriften.

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1 Einleitung

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Martin Luther bat im Jahre 1532 Hieronymus und Lorenz Schlick, damals die beiden regierenden Herren von St. Joachimsthal (Jáchymov), auf der Hut vor verschiedenen radikalen Elementen zu sein.1 Als Anlass zu dieser Mahnung gab er folgenden Grund an:

Denn ich gern sehen wollt, weil im Tal der Haufe groß ist, und von dannen weit erschallet, was da gelehrt und gehalten wird, daß Gottes Wort rein und gewaltig im Schwange ging, und alle Mißbräuch und Ärgernis, sie seint päpstlich oder rottisch, abgetan würden; wie denn die täglichen Messen und falsche Keuschheit der Priester auch seind.2

Obwohl der Brief eine reine Höflichkeit darstellt und der Wittenberger Reformator zu dessen Abfassen wohl von Christoph Ering, dem ehemaligen Prediger in der Bergstadt, bewogen wurde, veranschaulichen seine Worte, welch großen Einflussbereich die Städte an der böhmisch-sächsischen Grenze, insbesondere die reiche und groß gewordene Bergstadt St. Joachimsthal, besaßen. Solch eine Äußerung wäre nämlich ohne Blick auf die Entwicklung der Zeit zuvor kaum denkbar, denn seit guten zehn Jahren wechselten in diese Ortschaft nicht nur evangelische Prediger und Schulmeister, sondern es wurden hier auch reformatorische Druckschriften verfasst, die eine breite Resonanz fanden.

Der evangelische Glaube verbreitete sich Anfang der 1520er-Jahre in den nord- und nordwestböhmischen Herrschaften der Grafen Schlick und Herren von Salhausen. Davon geben insbesondere deutsche Flugschriften Zeugnis ab, welche die Texte der Wortführer der Reformation aus den Ortschaften Bensen (Benešov nad...

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