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Die Flugschriften der Frühreformation aus Nord- und Nordwestböhmen

Ihr Wesen und ihr Bezug zu Wittenberg

Jiří Černý

Die Produktion von deutschen Flugschriften erreichte in den 1520er Jahren auch in Nord- und Nordwestböhmen ihren Höhepunkt. Die Druckwerke der dortigen evangelischen Elite zeigen, wie diese sich an der öffentlichen Debatte um das Gemeinwohl beteiligte, zugleich aber regionale Streitfragen ins Spiel brachte. Das Buch klärt die Entstehungszusammenhänge und Besonderheiten einzelner Druckschriften und beschäftigt sich mit den literarischen und medialen Strategien, die für diese Werke prägend waren und die zum Teil von der zeitgleichen Produktion in Wittenberg abhingen. Es werden Selbstzuschreibungen und Fremdwahrnehmungen untersucht, über die sich die Identität der evangelisierten Gemeinden und ihrer Sprecher konstituierte. Des Weiteren fragt der Autor nach der Funktion dieser Schriften.

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2 Elbogen

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Die in Nordwestböhmen liegende Stadt Elbogen (Loket) liegt am Fluss Eger (Ohře). Die Flut bildet eine Schleife, sodass die Siedlung auf einer nur durch einen schmalen Landstreifen zugänglichen Halbinsel aufgebaut wurde. Das Stadttor war damit zugleich der einzige Zugang zur Burg, was einen Umstand mit viel Zündstoff darstellte. In der Tat entbrannte am Ende der 1490er-Jahre ein Streit zwischen dem Burgherren Sebastian Schlick und dem Stadtrat um die Stadttorschlüssel und den freien Zugang zur Stadt.120 Diese Fehde stellte dennoch nur eine Episode innerhalb der sich über mehrere Jahrzehnte hinziehenden Auseinandersetzungen dar und war nur ein Vorwand zum Austragen eines Konflikts, welcher bereits im Jahre 1434 seinen Anfang genommen hatte.121

Kaiser Sigismund verpfändete in diesem Jahre die Stadt Elbogen und das umliegende Land, welche laut Anordnung Karls IV. nie hätten verpfändet werden dürfen, seinem Kanzler Kaspar Schlick.122 Dieser herrschte de facto nie in der Stadt, sondern übergab die Verwaltung seinem jüngeren Bruder Matthes (Matthias). Matthes wurde nach Kaspars Tod zum Oberhaupt des Geschlechts, was er dafür ausnutzte, den Lehensbezirk von Elbogen an sich und seine Söhne zu reißen. Elbogen war aber zugleich eine mit Privilegien ausgestattete königliche Stadt, welche dem König direkt unterstand. Die selbstbewussten Pfandherren forderten demgegenüber von ihren Untertanen Gehorsam und versuchten, deren Rechte zu ihren eigenen Gunsten zu beschränken. Der Konflikt eskalierte in den Jahren 1471–1505, nachdem die Herren Schlick ihre Ländereien an die Herzöge Ernst...

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