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Die Flugschriften der Frühreformation aus Nord- und Nordwestböhmen

Ihr Wesen und ihr Bezug zu Wittenberg

Jiří Černý

Die Produktion von deutschen Flugschriften erreichte in den 1520er Jahren auch in Nord- und Nordwestböhmen ihren Höhepunkt. Die Druckwerke der dortigen evangelischen Elite zeigen, wie diese sich an der öffentlichen Debatte um das Gemeinwohl beteiligte, zugleich aber regionale Streitfragen ins Spiel brachte. Das Buch klärt die Entstehungszusammenhänge und Besonderheiten einzelner Druckschriften und beschäftigt sich mit den literarischen und medialen Strategien, die für diese Werke prägend waren und die zum Teil von der zeitgleichen Produktion in Wittenberg abhingen. Es werden Selbstzuschreibungen und Fremdwahrnehmungen untersucht, über die sich die Identität der evangelisierten Gemeinden und ihrer Sprecher konstituierte. Des Weiteren fragt der Autor nach der Funktion dieser Schriften.

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3 St. Joachimsthal

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Die Grafen Schlick veranstalteten im Jahre 1521 in St. Joachimsthal (Jáchymov) ein Schützenfest. Hans Lutz, ein fahrender Dichter, welcher anscheinend als Pritschenmeister an der Festivität teilnahm, verfasste im Nachhinein ein im Druck erschienenes Lied, in dem der Wettkampf der Schützen geschildert und dem damaligen Herrn Stephan Schlick wie auch der Bergstadt Lob ausgesprochen wurde. Am Anfang des Textes wird kurz der Ursprung der Stadt angesprochen:

Das Lied besagt, dass der Vorgängerort der Bergstadt St. Joachimsthal Konradsgrün hieß und dass hier Stephan Schlick und andere in einem bereits existierenden aber verlassenen Stollen mit dem Silberbergbau anfingen. In dieser Hinsicht stimmen die Angaben von Lutz mit der Schilderung der Vorgänge im Werk „Sarepta oder Bergpostill“ des Johann Mathesius überein, seit 1532 Schulmeister und seit 1545 Pfarrer in der Bergstadt.412 Die ersten Versuche, das Silber in dieser Lokalität zu fördern, reichen mindestens bis ins Jahr 1512 zurück. Drei Jahre später erfuhr Stephan Schlick, Pfandherr des unweiten Schlackenwerth (Ostrov), von den Silberfunden dort und gründete nicht nur mit den im Lied genannten Personen, sondern auch mit seinem Cousin Sebastian Schlick, mit dem Herrn auf Petschau (Bečov) und Inhaber der Zinnbergwerke in Schlaggenwald (Horní ←117 | 118→Slavkov) Hans Pflug von Rabenstein, dem Bergbauunternehmer aus Annaberg Hans Thumshirn, dem Dechant von Falkenau (Sokolov) Jobst Thüssel und einem gewissen Thomas Grym in Karlsbad (Karlovy Vary) die erste Gewerkschaft, also eine Aktiengesellschaft für das Betreiben des verlassenen Silberbergwerks.413

Hans...

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