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Die Flugschriften der Frühreformation aus Nord- und Nordwestböhmen

Ihr Wesen und ihr Bezug zu Wittenberg

Jiří Černý

Die Produktion von deutschen Flugschriften erreichte in den 1520er Jahren auch in Nord- und Nordwestböhmen ihren Höhepunkt. Die Druckwerke der dortigen evangelischen Elite zeigen, wie diese sich an der öffentlichen Debatte um das Gemeinwohl beteiligte, zugleich aber regionale Streitfragen ins Spiel brachte. Das Buch klärt die Entstehungszusammenhänge und Besonderheiten einzelner Druckschriften und beschäftigt sich mit den literarischen und medialen Strategien, die für diese Werke prägend waren und die zum Teil von der zeitgleichen Produktion in Wittenberg abhingen. Es werden Selbstzuschreibungen und Fremdwahrnehmungen untersucht, über die sich die Identität der evangelisierten Gemeinden und ihrer Sprecher konstituierte. Des Weiteren fragt der Autor nach der Funktion dieser Schriften.

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5 Zusammenfassung

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Die Güter Elbogen, St. Joachimsthal, Bensen und Tetschen liegen nicht nur geografisch nahe an Sachsen, sondern sie waren mit diesem Land auch kulturell und wirtschaftlich verbunden. Sowohl die lutherische Reformation als auch andere Arten der evangelischen Bewegung setzten sich in dieser Region während der 1520er-Jahre durch. Die Kontakte zu Wittenberg stellten deshalb nichts Überraschendes dar. Dennoch war die Intensität dieser Beziehungen sehr unterschiedlich und wurde durch verschiedene Personen gewährleistet.

Im Falle der Grafen Schlick war es insbesondere die Falkenauer Linie, welche in Kontakt mit dem sächsischen Zentrum der Reformation stand. Einer ihrer Vertreter, Christoph Schlick, übte in den Jahren 1520–1521 das Amt des Rektors der Universität in Wittenberg aus. Sebastian Schlick aus Elbogen erfuhr eine besondere Würdigung dadurch, dass ihm Luther seine Schrift „Contra Henricum regem Angliae“ widmete. Stephan Schlick aus der Schlackenwerther Linie, welchem die Chronik von Johann Mathesius den Erwerb des Patronatsrechts über die Kirche in St. Joachimsthal zuschrieb und welcher sich persönlich für die Anstellung reformierter Prädikanten einsetzte, stand demgegenüber nicht mit Luther in Verbindung. Zumindest ist kein vergleichbares Zeugnis über seine Kontakte mit Wittenberg erhalten. Weil er mit dem Falkenauer Dechant Jobst Thüssel während der 1520er-Jahre Kontakte hielt und mittels des Festschießens vom Juni 1521 die Anbindung der Bergstadt an Dresden stärken wollte, begegnete er der Reformation eher mit Vorsicht.926 Der inhaltlich belanglose Brief Luthers an Stephans Erben Hieronymus und Lorenz Schlick aus dem Jahre 1532 ließe...

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