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Späte Schriften zur Literatur. Teil 1: Zur Literatur der Moderne und zur Literaturgeschichte

Herausgegeben von Hans-Edwin Friedrich

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Helmut Heißenbüttel

Edited By Hans-Edwin Friedrich

Mit der dreibändigen Jubiläumsedition zum 100. Geburtstag liegen erstmals Helmut Heißenbüttels späte Schriften zur Literatur in gesammelter Form vor. Sie enthält bislang nur verstreut veröffentlichte Texte und zeichnet wesentliche Entwicklungslinien des essayistischen Werks nach.

Im ersten Teil sind Aufsätze zur Literaturgeschichte und zur Moderne zusammengestellt. Er dokumentiert eine fortlaufende Beschäftigung mit einem historischen Bruch, der den Ausgangspunkt für Heißenbüttels eigenes Werk darstellt. Zugleich zeigt er wesentliche Verschiebungen in der Bewertung des Fortschrittsgedankens sowie bislang weniger bekannte Schwerpunktsetzungen in der Beschäftigung mit Kurt Schwitters sowie Autoren der konservativen Moderne auf. Er versammelt Schriften u.a. zu Carl Einstein, Arnold Schönberg, Rudolf Borchardt und Max Kommerell. Erstmals sind auch alle Beiträge zu Ernst Jünger aufgenommen.

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Konservative Moderne

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An Gedichten Stefan Georges habe ich, 1938/39, zuerst erfahren, was ein Gedicht sein kann. Ich möchte das ganz wörtlich verstanden wissen. Als etwas, gegen das Faszinationen, wie sie für mich später mit Rilke oder Benn auftauchten, nicht ankommen; das auch Einsichten in technische oder methodische Möglichkeiten, wie sie mir etwa Arp oder Pound oder Marianne Moore vermittelten, nicht zu beeinträchtigen vermochten. Dabei war das Beispielhafte, das ich an einzelnen Gedichten erfuhr, von Anfang an getrennt von der Haltung Georges. Dieser Haltung konnte ich mich kritisch gegenüberstellen. Die Gedichte, vor allem aus dem Jahr der Seele, dem Siebenten Ring und dem Neuen Reich, waren einfach Exempel dafür, wie man Sprache in etwas verwandeln kann, das mehr ist als das bloße Sprechen. Etwas, in dem etwas zur Sprache kommt, das nur so, in dieser Konzentration deutlich werden kann. Das, was zur Sprache kommt, ist natürlich Ausdruck einer Situation. Diese Situation hat ihre notwendige historische Komponente. Allein dies Historische der Situation, die zur Sprache kommt, hat die Gedichte Georges ferner rücken lassen. In ihrem für mich exemplarischen Charakter treten sie, das mag von außen überraschend aussehen, scheint mir jedoch ganz selbstverständlich, nun neben Gedichte von Gertrude Stein und Brecht.

In meinem letzten Schuljahr, 1939, im Realgymnasium Papenburg, las ein Studienassessor, der drei Jahre später bei Stalingrad fiel, im Deutschunterricht zuerst Goethes An den Mond vor:

Füllest wieder Busch und Tal

Still...

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