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Konstruktion von Professionalität in der EU-Politikvermittlung

Eine qualitative Studie zu EU-Professionals in Deutschland

Lucia-Melanie Leopold

Um EU-Politik innerhalb Deutschlands zu vermitteln, haben sich EU-Professionals in Think Tanks, Stiftungen, Vereinen und Agenturen herausgebildet. Wie sie professionelle Zuständigkeit und Deutungsmacht im politischen Kontext deklarieren und legitimieren, ist Gegenstand der vorliegenden Studie. Die Konstruktion von Professionalität wird mittels Dokumentenanalysen, Experteninterviews sowie berufsbiographischen problemzentrierten Interviews untersucht. Im Gegensatz zu klassischen Professionen wird eine „professionelle“ Tätigkeit, Expertise, Vernetzung und berufliche Haltung stärker durch informelle und individuelle Ressourcen begründet. Die Studie liefert detaillierte empirische Einblicke in einen neu entstehenden und umstrittenen Tätigkeitsbereich.

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2 Konzeptionelle Perspektiven

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Das Anliegen dieser Studie ist es, EU-Professionals zu untersuchen, die innerhalb Deutschlands EU-Politik vermitteln. Hierzu werde ich im Folgenden zunächst zentrale Begriffe klären und anschließend mein Erkenntnisinteresse anhand von Studien und Konzepten entwickeln, welche Professionalität in neuen Expertenberufen (2.1) und in transnationalen Politikbereichen (2.2) in den Blick nehmen. Nachdem ich zentrale Debatten nachgezeichnet und auf Forschungslücken verwiesen habe, werde ich meine eigene konzeptionelle Perspektive erläutern und meine Analysedimensionen vorstellen (2.3).

Indem ich professions- und expertisesoziologische Ansätze mit Debatten zur Professionalisierung von Politik zusammenbringe, entwickele ich eine Forschungsheuristik zur Analyse der Professionalität politikbezogener Expertenberufe in transnationalen Kontexten. Bevor ich die konzeptionelle Perspektive meiner Arbeit vorstelle, werde ich kurz mein Verständnis zu zentralen Begriffen und Konzepten in der vorliegenden Arbeit skizzieren:

Ich fasse „Professionalisierung“ in Anschluss an Meyer und Bromley, 2013 als einen Prozess der Verfestigung, Standardisierung und Kodifizierung von Wissensbeständen sowie beruflichen Praktiken in der Wissensarbeit. Professionalisierung von EU-Expertise bedeutet demnach für mich nicht, dass eine Profession entstanden ist, die vergleichbar mit klassischen Professionen wie Ärzt*innen etc. wäre. Vielmehr umfasst die Bezeichnung Professionalisierung in diesem Kontext Prozesse der Verberuflichung und Spezialisierung von Wissen und Praktiken in sehr verschiedenen Tätigkeitsbereichen.

Ich spreche von der Konstruktion von Professionalität, weil ich Professionalität als „Kompetenzdarstellungskompetenz“ (Pfadenhauer, 2003) und somit als eine Herstellungsleistung in den Blick nehme. Dabei geht es mir nicht darum zu prüfen, ob es sich nun „wirklich“ um...

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