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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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I. Das Ungleichzeitige in der Globalisierung

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Die Globalisierung ist unser aller Schicksal. Dieser Satz hat angesichts der Corona-Pandemie des Jahres 2020 seine allumfassende Bedeutung. So erfolgreich die Globalisierung in der Vernetzung der Handelskontakte auch ist und war, so schafft sie damit zugleich eine Anfälligkeit für die Gesellschaften, die es einem Virus ermöglichen sich rasant um den ganzen Globus hin auszubreiten. Was auf dem Huanan Seafood Market in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan im November 2019 begann, nämlich der Übersprung des Corona-Virus vom Tier auf den Menschen, hat in kürzester Zeit den lokalen Ausgangsort verlassen und sich zu einer weltweiten Pandemie entwickelt. Insofern sind der „weltweite Reiseverkehr und die globalen Handelsströme […] das beste Einfallstor für Pandemien.“1

So wenig, wie man den Effekten einer Pandemie entrinnen kann, so kann man auch nicht der Globalisierung aus dem Wege gehen. Sie ist in ihren Erscheinungsformen umfassend. Man kann sie ignorieren, verachten, dagegen sein – die Globalisierung hat trotzdem ihre Gewalt über unsere Existenz. Wer für sie ist, wer sie bejaht, mag besser leben – einfacher wird es dadurch allerdings dann auch nicht.

Die Globalisierung ist ein derart umfassender Vorgang, dass hierdurch unser aller Leben gründlich verändert wird. In manchen Ländern geschieht diese Veränderung schleichend langsam, geradezu homöopathisch dosiert, dass die Zeitgenossen gar nicht so recht bemerken, was um sie herum (und vor allem: mit ihnen selbst) passiert. In anderen Ländern ist das andere Extrem vorherrschend – eine rapide Geschwindigkeit der Veränderungen in der Gesellschaft,...

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