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Philosophie der Lebensbejahung

Die platonischen Kardinaltugenden als Grundstruktur seelisch gesunder und spiritueller Selbstverwirklichung

Hans-Arved Willberg

Weil manche Philosophen des 19. Jahrhunderts das Wort „Tugend“ mit Moralismus gleichsetzten und sich die Bedeutung Platons für die Praktische Philosophie erst allmählich erschloss, geriet das platonische System der Kardinaltugenden im 20. Jahrhundert aus dem Blick. Die empirische „Positive Psychologie“ hat sie als Grundstruktur der seelischen Gesundheit wieder entdeckt. Dieses Buch gibt dem empirischen Befund die philosophische Begründung: Die Kardinaltugenden stellen nichts anderes als den logischen Vollzug gelingenden menschlichen Lebens dar, das vernunftbestimmt, selbstbestimmt und auf spirituelle Ideale ausgerichtet ist.

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3. Philosophie der Lebensbejahung bei Platon

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3.Philosophie der Lebensbejahung bei Platon

Sokrates, befindet Ernst Hoffmann, „rettet für Griechenland die Lebensbejahung, die Arbeit an der Welt, die Freude an der irdischen Aufgabe. Er macht die Philosophie zu einer grundsätzlich optimistischen Angelegenheit“.773 Platons theologische Anthropologie ist eher pessimistisch, aber seine ontologisch bestimmte Ethik ist lebensbejahend. Sokrates’ aufklärerischer Impetus, den Platon verinnerlicht hat, steht in Spannung zum heraklitisch und orphischpythagoreisch geprägten „Untergrund der platonischen Lehren über Leben und Sterben“.774 Daraus wird bei Platon aber keine „theologische Moral“, wie Hirschberger richtig feststellt, „die weltverneinend, weltflüchtig, düster und asketisch ist und die in ihren Dogmen aus dem religiösen Gefühl Platons entstanden wäre“.775 Die pessimistischen Züge der platonischen Theologie besagen „für die eigentlich philosophischen Grundlagen nichts. Die letzten Prinzipien der platonischen Ethik, ihre Verankerung im Reich des reinen Seins […], sind eine Sache für sich.“776

Auch für Werner Jaeger steht fest, dass Platon durch mythische Exkurse wie etwa am Ende des Gorgias nicht „an eine irrationale Kraft in uns als eine besondere oder gar als die eigentliche Quelle des Erkennens appelliert“.777 Gleichwohl vermag Platon auf die mythologische Verbindung zum Göttlichen nicht zu verzichten, weil er sie für die Konsistenz seines eigenen Weltbilds noch braucht778 und auch noch der Ansicht ist, wie vor allem die Nomoi zeigen, dass die Gesetze eines gesunden Staatswesens nicht ohne einen im religiösen Kult zentrierten metaphysischen Letztbezug bleiben können.

Nach Otto...

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