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Über die Anfänge des Denkens − Kognition und Siedlung

Soziologie der Steinzeit – von der Höhlenmalerei zum Göbekli Tepe

Lars Hennings

Diese Studie sammelt Thesen für eine interdisziplinäre Forschung der Soziologie als Leitwissenschaft zur Erkundung der Steinzeit. Nach Ankunft des Homo sapiens von Afrika nach Westeuropa beginnt nach dessen biologischer Stabilisierung seine weitere Formung als sozialer, sich selbst verändernder Prozess. Die Artefakte zeigen zu Beginn einen sehr schlichten Typus, der sich eben erst von Homo erectus und neanderthalensis entfernt. Die humanen Veränderungen folgen nicht mehr der Darwinschen Zuchtwahl. Bald entstehen, bei wildbeuterischer Lebensweise, feste Siedlungen, die die Sozialität ausweiten, eine Sprech-Sprache fördern und mit den Anfängen des Denkens eine frühe traditionale Logik ausbilden, die über Sumer, Griechenland ins europäische Denken führt.

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Traditionales Denken

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Christopher Hallpike hat bereits früh die Stadien Piagets aus psychologischer Sicht überprüft und sagt: „Für das Kind des präoperativen Stadiums ist das eigene Weltbild unmittelbar, subjektiv und absolut, obwohl es beim Heranwachsen Widersprüche mit der Wirklichkeit bemerkt. Doch es begreift noch nicht, dass es eine Wirklichkeit gibt, die wahrgenommen wird, einen Denkprozess, der diese Wahrnehmungen vermittelt, und einen Sprachprozess, in den das Denken enkodiert wird. Es ist deshalb noch nicht imstande, Namen und Wörter von den Dingen zu unterscheiden, auf die sie sich beziehen, und glaubt anfänglich, sie seien den Gegenständen inhärent, die sie bezeichnen … Das Kind glaubt auch, die Träume spielten sich außerhalb von ihm ab. Es ist sich seiner eigenen Gedanken und Gefühle bewusst, aber es sieht nichts Ungereimtes darin, auch der physischen Welt einen Willen, eine Zielgerichtetheit und Gefühle zuzuschreiben. … es glaubt auch, die Kraft, die benötigt wird, um einen Stein zu heben, sei eine Kraft, die aktiv vom Stein selbst ausgeübt werde“. (1990: 447ff) Dem Urteil des Kindes fehle die Objektivität, alle Erscheinungen seien ihm subjektiv und mit eigenem Willen ausgestattet.

Ob solche Beschreibungen heute noch vollständig zutreffen, ist angesichts der Fülle unserer Medienwelten offen, Kinder lernen nun viel mehr, nicht zuletzt weil sie von Bildern umgeben sind. Mit etwa sechs Jahren nehme das Kind noch an, Namen – identisch mit den benannten Dingen – hätten selbst Kraft, Gewicht und Geschwindigkeit oder andere physische Eigenschaften. Erst danach...

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