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Das Spiel mit der Liebe: Liebesentwürfe in der Gegenwartsliteratur im Lichte spieltheoretischer Konzepte

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Nienhaus Kristina

Das Verständnis von Liebe und Partnerschaft hat sich unter den Bedingungen der Spätmoderne verändert: Durch Digitalisierung, Globalisierung und die gesellschaftliche Akzeptanz von alternativen Lebensmodellen erscheint der Möglichkeitsraum der Liebe unendlich ausgedehnt. Auf diese Veränderung reagiert auch die Literatur. Der vorliegende Band verbindet spieltheoretische Ansätze (von Kant bis Baudrillard) mit (post-)modernen Liebeskonzeptionen (vor allem von Niklas Luhmann, Roland Barthes und Eva Illouz), um einen Blick auf die Auseinandersetzung mit den Geschlechterbeziehungen in der Gegenwartsliteratur zu werfen. Er geht der These nach, dass die Liebe unter den Bedingungen der Spätmoderne ein Phänomen ist, das sich mit Schlüsselkategorien der Spieltheorie adäquat erfassen lässt.

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1. Einleitung

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Mit seiner literarischen Figur „Wolken“ versucht Roland Barthes in den Fragmenten einer Sprache der Liebe die Verdüsterung der Stimmung eines Liebenden in Worte zu fassen.1 Die Wolken werfen Schatten, die sich auf eine Beziehung legen und diese in einem anderen Licht erscheinen lassen. Sie können alles verändern und das, obwohl sie selbst in ihrer Beschaffenheit mehr Schein als Sein sind. Wolken sind nicht das einzige einprägsame Bild, das Barthes für seine Fragmente gefunden hat, doch gelingt es mit diesem sehr gut, die Liebe, um die es Barthes geht, und das Spiel zusammenzuführen. Das Spielerische manifestiert sich beispielsweise im Blick auf die Wolken, die der Künstler Gerhard Richter 1970 als Gemälde auf Leinwand bannte. Die Wolke als Motiv eröffnete Richter die Entwicklung von Themenkomplexen wie dem Zufälligen und der „Anti-Komposition“2, wie es auch Mark Godfrey, Kurator der Londoner Tate Modern-Gallery, beschreibt. Das sich stetig verändernde Erscheinungsbild der Wolke erfordere beim Künstler demnach eine „grundlegende Vorstellung von Form.“3 Richters Wolken zeigen „seine Huldigung der Grenzen von Organisation und Kontrolle“4, was den Spielcharakter der Werke noch einmal hervorhebt. Weiß, hell, luftig, auf hellblauem Grund – Abbilder eines Phänomens, das sich in der Natur groß, dunkel und bedrohlich oder klein, hell und fein am Himmel zeigt, und doch in seiner gesamten Erscheinung nur Illusion ist. Unzählige Wassertropfen vereint zu einem Gebilde, das nach mehr aussieht als bloßer Schein in luftiger Höhe. Das Spielerische lässt sich...

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