Show Less

Das verhüllte Absolute

Essays zur zeitgenössischen Religionsphilosophie

Ludwig Nagl

Dieses Buch umfasst Essays zu drei Diskursfeldern der zeitgenössischen Religionsphilosophie: zur Neuthematisierung von Religion in der Kritischen Theorie (Habermas), zur Erkundung dieses Themenraums im Umfeld von Dekonstruktion und Postmoderne (Derrida und Vattimo) und zur (neo)pragmatischen Religionsphilosophie und ihrem pragmatizistischen Umfeld. Die Arbeiten zum letztgenannten Themenkreis bilden den Schwerpunkt des Bandes: Im Ausgang von Richard Rorty und Hilary Putnam wird jene religionsphilosophische Option untersucht, die die amerikanischen Pragmatisten Peirce, James und Dewey, vor allem aber der Protopragmatist Josiah Royce, in den zeitgenössischen Diskurs einbringen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung 41

Extract

41 Einleitung Im Jahr 1994 fand in Capri eine Konferenz statt, auf der eine Gruppe (post) hermeneutischer Denker (darunter Hans-Georg Gadamer, Gianni Vattimo und Jacques Derrida) sich mit dem Thema Religion beschäftigte. Diese Konferenz – deren Materialien erst relativ spät, 2001, auf Deutsch veröffentlicht wurden1 – macht sichtbar, dass an einem unerwarteten Ort: im Argumentationskontext von Dekonstruktion und Postmoderne Fragen neue Aktualität erlangen, die in weiten Segmenten der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts ad acta gelegt worden waren. Jacques Derrida formuliert am Beginn seines Capri-Beitrags „Glaube und Wissen. Die beiden Quellen der ,Religion‘ an den Grenzen der bloßen Vernunft“ einige dieser vormals von der Denkagenda gestrichenen Fragen so: „Wie soll oder wie kann man ,über Religion‘ reden? Wie soll oder wie kann man von der Reli- gion handeln? Wie soll oder wie kann man heutzutage gerade von der Religion sprechen? Wie soll oder wie kann man es wagen, in der heutigen Zeit ohne Furcht und Zittern in der Einzahl von der Religion zu sprechen?“2 John Caputo verweist in seiner komprehensiven Studie zur Derridaschen Re- ligionsphilosophie The Prayers and Tears of Jacques Derrida. Religion without Religion darauf, dass dieses Interesse des dekonstruktiven Denkens am Themen- kreis Religion für viele Leser sehr überraschend kam. „The messianic tone of deconstruction was not at all evident from the start“3: dies vor allem deshalb, weil Derridas dekonstruktives Projekt in seiner Frühzeit eher dem Umfeld des neuen französischen Nietzscheanismus zuzugehören schien. Der Überraschungseffekt, dass ein am Denkort der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.