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Das verhüllte Absolute

Essays zur zeitgenössischen Religionsphilosophie

Ludwig Nagl

Dieses Buch umfasst Essays zu drei Diskursfeldern der zeitgenössischen Religionsphilosophie: zur Neuthematisierung von Religion in der Kritischen Theorie (Habermas), zur Erkundung dieses Themenraums im Umfeld von Dekonstruktion und Postmoderne (Derrida und Vattimo) und zur (neo)pragmatischen Religionsphilosophie und ihrem pragmatizistischen Umfeld. Die Arbeiten zum letztgenannten Themenkreis bilden den Schwerpunkt des Bandes: Im Ausgang von Richard Rorty und Hilary Putnam wird jene religionsphilosophische Option untersucht, die die amerikanischen Pragmatisten Peirce, James und Dewey, vor allem aber der Protopragmatist Josiah Royce, in den zeitgenössischen Diskurs einbringen.

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Antifundamentalistische Religionsphilosophie:Die neopragmatische Option 91

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91 Antifundamentalistische Religionsphilosophie: Die neopragmatische Option1 0. Vorbemerkung Religiöse Handlungshorizonte ermöglichen Ambivalentes. Einerseits können sie als Verstärkung eines sich autonom selbst tragenden, im Resultat aber oft scheiternden ethischen Handelns wirken: als ein Vertrauenshintergrund dafür, dass das stets endlich bleibende und nur selten perfekte Bemühen, verantwortlich zu handeln, trotz seiner Begrenztheit einem Sinn zuarbeitet, den wir selbst in toto nicht „herzustellen“ in der Lage sind. Zum anderen aber sind die empirisch verfassten Religionen (oder zumindest deren depravierte Verfallsformen) auch dadurch charakterisiert, dass sie das Ethische einklammern, marginalisieren, ja – der Möglichkeit nach – total zerstören. (Religion hat jederzeit auch das Poten- zial, Aberglauben, Irrationalität, ja – in politisierter Gestalt – die tödliche Gewalt „im Namen Gottes“ zu ermutigen.) Mit diesem Doppelgesicht der Religionen war schon Kant genau vertraut. Darauf zu hoffen, dass sich die Religionen von der zweiten, verheerenden Devianz befreien könnten, das gaben in der Neuzeit viele ihrer aufgeklärten Kritiker (und Verächter) auf. Sie zogen es stattdessen vor, den – als antiquiert verstandenen – religiösen Handlungshorizont (so weit wie möglich) durch agnostisch-„humanistische“ oder atheistische Motivationsstruk- turen zu substituieren. Freilich: der Rekurs auf die sinnstiftende Kraft der „Gat- tungsgeschichte“, der in diesem Zusammenhang dominant wurde, löste zuletzt die Probleme nicht, die sich aus jenen Endlichkeitserfahrungen ergeben, welche nicht nur das individuelle Leben bestimmen, sondern auch im historisch-kollek- tiven Rahmen insistent wiederkehren. Kant zog aus dieser Lage nicht jene Konsequenz, die – in der Regel – si- gnifikant geblieben ist für jede...

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