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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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1. Das Zürcher Beschreibungsmodell: Formen des Erzählens

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Das Zürcher Beschreibungsmodell (1993) unterscheidet in Anlehnung an Plato3 innerhalb der Fiktion4 zwei erzählerische Grundmöglichkeiten, die der Diegesis (Bericht) und die der Mimesis (Darstellung). Sie bilden die Grundpfeiler, auf welchen das Modell aufgebaut ist, und werden im Folgenden präzisiert. Bei diesen beiden Kategorien handelt es sich um theoretische Ordnungssys- teme, die innerhalb der Erzähltheorie auch anders umschrieben werden, je nach- dem, welches Beschreibungsmodell gewählt wird. So kann die Diegesis durch- aus mit der auktorialen Erzählsituation von Franz K. Stanzel (Stanzel, Theorie des Erzählens 242) oder mit der Kategorie des „expliziten Erzählers“ bei Ansgar Nünning (Nünning, Grundkurs 123) verglichen werden, die Mimesis hingegen entspricht der personalen Erzählsituation bei Stanzel bzw. dem neutralen Er- zählmedium bei Nünning.5 Ergänzt wird das Zürcher Beschreibungsmodell im Anschluss an dessen Vorstellung noch durch weitere erzähltheoretische Ansätze, wie z.B. der Fokalisierungstheorie. 3 In seinem dritten Buch der Politeia hat Plato auf zwei Grundmöglichkeiten hingewie- sen, die er als „einfache Diegesis“ und „Mimesis“ bezeichnet. Diese beiden Begriffe versteht er als Erscheinungsformen einer übergreifenden Diegesis, die alle Formen li- terarischer Werke umfasst. 4 Der Begriff „Fiktion“ soll nach Rolf Tarot als Oberbegriff verstanden werden, der sämtliche Texte der literarischen Sprache umfasst, genauer: „Fiktion fungiert als übergreifender, nicht qualifizierender, sondern neutraler Begriff für alle Formen lite- rarischer Kunstwerke. Er gliedert sich in zwei Erscheinungsformen: in die fingierte Wirklichkeitsaussage (Diegesis) und in die Darstellung (Mimesis).“ Literarische Tex- te sind demnach...

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