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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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1. Willa Cather und die Short Story

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Willa Cather erlangte ihre literarische Reputation vor allem durch die von ihr verfassten Romane. So sehr dies dem Selbstverständnis Cathers, die sich vor- wiegend als Romanautorin verstanden wissen wollte, entspricht, so wenig wird diese einseitige Rezeption dem Gesamtwerk der Autorin gerecht. Denn dieses wird zu einem ganz wesentlichen Teil durch das Genre der Kurzgeschichte ge- prägt. In einem Zeitraum von über fünfzig Jahren verfasste Cather über sechzig Short Stories und widmete sich diesem Genre somit durchgehend. Mehr noch, sie begann ihre literarische Karriere sogar als Autorin von Kurzgeschichten, welche anfangs vorwiegend in Magazinen erschienen. Ihre erste Short Story publizierte Willa Cather 1892 als Studentin an der Universität von Nebraska. Danach arbeitete sie als Redakteurin für das Magazin The Home Monthly in Pittsburgh. Sie musste die Seiten füllen und tat dies unter anderem mit ihren eigenen Erzählungen, die sie unter Pseudonymen veröffent- lichte. Um 1900 florierte der Zeitschriftenmarkt, und Cathers Kurzgeschichten wurden in diversen nationalen Magazinen veröffentlicht. Durch ihre Erzählun- gen gelang ihr der Sprung in die Redaktion des berühmten New Yorker Maga- zins McClure’s. Zwischen 1905 und 1916 erschienen viele von Cathers Short Stories in diesem Magazin, bis sie sich 1912 vom Journalismus zurückzieht, um nur noch als Schriftstellerin tätig zu sein. Wichtig anzumerken ist die Tatsache, dass es ihre Kurzgeschichten waren, mit denen sie die Aufmerksamkeit als Auto- rin auf sich zog, sie waren Ausgangspunkt ihrer literarischen Karriere. Die erste Erzählung „Peter“ wurde 1892 ver...

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