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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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2. Textanalyse von Cathers erster Short Story „Peter“ (1892)

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2.1. Veröffentlichungsgeschichte und Genese der Erzählung Die Erzählung „Peter“ wurde zum ersten Mal am 21. Mai 1892 in The Mahoga- ny Tree (323–24), einer wöchentlich erscheinenden literarischen Zeitschrift, un- ter dem Namen Willa Cather veröffentlicht (Faulkner, Collected Short Fiction 590). Es war Cathers erste publizierte Short Story überhaupt, jedoch ging die Initiative zu diesem Schritt nicht von der Autorin selbst aus, sondern von Profes- sor Bates, einem ihrer Lehrer an der Universität von Nebraska. Er schickte die von ihm leicht überarbeitete Erzählung ohne Cathers Wissen an das Magazin, mit Erfolg (Meyering, A Reader’s Guide 193). Am 24. November 1892 erschien die Kurzgeschichte „Peter“ erneut, diesmal jedoch ohne Autorennennung in dem Journal Hesperian (22:10–12), einer Stu- dentenzeitschrift der Universität von Nebraska (Faulkner, Collected Short Ficti- on 590). Eine wiederum überarbeitete Version der Erzählung wurde am 21. Juli 1900 unter dem neuen Titel „Peter Sadelack, Father of Anton“ in der Zeitschrift Lib- rary (1:5) publiziert (Faulkner, Collected Short Fiction 590), als Autorin wird hier wieder Willa Cather angegeben. In dieser Fassung verzichtet Cather auf die Literarisierung des tschechischen Dialektes, indem sie die thees and thous aus- lässt und durch you ersetzt. Des Weiteren vertieft sie den Vater-Sohn Konflikt und wählt einen neuen Erzählanfang. Insgesamt jedoch unterschieden sich die beiden Erzählungsvarianten nicht wesentlich voneinander (Meyering, A Rea- der’s Guide 195). Die Mahogany Tree Version wird später u.a. in dem von Virginia Faulkner herausgegebenen Buch Willa...

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