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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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5. Textanalyse der Short Story „Paul’s Case“ (1920)

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5.1. Veröffentlichungsgeschichte der Erzählung Die Kurzgeschichte „Paul’s Case“ wurde zum ersten Mal 1905 mit dem Unter- titel „A Study in Temperament“ in Willa Cathers erster Kurzgeschichtensamm- lung The Troll Garden veröffentlicht. Einige Woche später erschien die Erzäh- lung außerdem in der Mai-Ausgabe des McClure’s Magazins (25:74–83), dies- mal schon mit einigen Änderungen die Rechtschreibung und Interpunktion betreffend. Des weiteren wurden zwei Textpassagen gänzlich ausgelassen, wahr- scheinlich aus redaktionellen Gründen, denn bei späteren Publikationen wurden sie erneut hinzugefügt. Eine nochmalige Überarbeitung der Troll-Garden- Version von „Paul’s Case“ erschien dann ohne Untertitel in Cathers zweiter Short Story-Sammlung Youth and the Bright Medusa 1920. Zu dieser Zeit fühlte sich Willa Cather als Schriftstellerin bereits etwas sicherer, und der Erfolg gab ihr Recht. Mittlerweile hatte sie schon mehrere Romane veröffentlicht,101 und ih- re längere Erzählung „The Bohemian Girl“ (1912), welche wie viele andere Ge- sichten auch im McClure’s Magazin publiziert wurde, war in Autorenkreisen hoch angesehen (Wasserman, Study of the Short Fiction 31). Um sich den Lebensunterhalt durch das Schreiben finanzieren zu können, schlug Cather ihrem Verleger 1918 vor, demnächst eine Serie leichter und flotter („light and breezy“) Kurzgeschichten über Musiker und OpernsängerInnen zu veröffentlichen. Zwei hatte sie bereits verfasst: „The Diamond Mine“ und „A Gold Slipper“; dazu sollten drei oder vier weitere kommen. Das Projekt wurde zunächst nicht vollständig abgeschlossen, unter anderem, weil sie sich dem Ro- man My Ant...

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