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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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6. Textanalyse der Short Story „Neighbour Rosicky“ (1932)

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6.1. Veröffentlichungsgeschichte und Genese der Erzählung Die Kurzgeschichte „Neighbour Rosicky“ erschien zum ersten Mal 1930 in der April und Mai Ausgabe der Zeitschrift Woman’s Home Companion (57:7–9, 52, 54, 57; 13–14, 92, 95–96), allerdings in anderer Schreibweise: „Neighbor Rosi- cky“. Danach wurde die Erzählung in Cathers dritter Short Story-Sammlung Obscure Destinies (1932) publiziert. Es folgten weitere Veröffentlichungen, u.a. in der 13bändigen Werkausgabe The Novels and Stories of Willa Cather (1937– 1941), der Taschenbuchausgabe von Obscure Destinies (1974) oder auch in der „Library of America“-Edition Cather: Stories, Poems, and Other Writings 1992, seit dem ersten Erscheinen allerdings immer als „Neighbour Rosicky“. Berücksichtigt man die persönlichen Umstände, unter denen die Kurzge- schichtensammlung Obscure Destinies121 entstanden ist, verwundert es nicht, dass dieses Werk einen besonderen Stellenwert im Leben und Werk der Autorin einnimmt. Cather schrieb die Short Story vermutlich zu Beginn des Jahres 1928, zu einer Zeit, als es ihr persönlich sehr schlecht ging. Ihr Vater war gerade ge- storben, und noch im selben Jahr erlitt ihre Mutter einen Schlaganfall, der sie für weitere drei Jahre zu einem Pflegfall werden ließ. Bis 1931 reiste Willa Cather regelmäßig von Küste zu Küste, um ihre Mutter im Pflegeheim in Pasadena, Ka- lifornien,122 besuchen zu können. Cather hoffte auf eine Genesung ihrer Mutter und renovierte sogar ihr Elternhaus in Red Cloud, Nebraska – umsonst. Nur zweieinhalb Jahre nach dem Tod ihres Vaters stirbt auch ihre Mutter im...

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