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Das Kurzprosawerk Willa Cathers: Eine erzähltheoretische Analyse

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Nicola Janitz

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit das Kurzprosawerk Willa Cathers den literaturhistorischen Entwicklungstendenzen von der traditionellen Form des diegetisch-fiktionalen (auktorialen) Erzählens hin zum mimetisch-fiktionalen, figurenorientierten (personalen) Erzählen entspricht. Die Analysen basieren auf dem «Zürcher Beschreibungsmodell» von Rolf Tarot ( Narratio viva 1993), welches durch weitere erzähltheoretische Ansätze ergänzt wird. Sechs Short Storys werden einer detaillierten erzähltheoretischen Analyse unterzogen, und obwohl Willa Cather, deren Schaffensperiode sich über ein halbes Jahrhundert erstreckte, durchaus modernistische Gestaltungsmittel verwendet, ist das Wechselverhältnis von diegetisch- und mimetisch-fiktionalen Elementen in ihrem Kurzprosawerk sehr facettenreich.

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Ziel dieser Arbeit war es, durch die gezielte erzähltheoretische Analyse diverser Short Stories dem Wechselverhältnis von diegetisch-fiktionalen und mimetisch- fiktionalen Elementen im Kurzprosawerk Willa Cathers nachzugehen und zu un- tersuchen, inwieweit ihre Erzählungen den literarhistorischen Entwicklungsten- denzen und auch ihrer eigenen Erzählprogrammatik entsprechen. Dabei haben sich, je nach Entstehungszeitraum, interessante Facetten gezeigt. Willa Cathers erste Erzählung „Peter“ aus dem Jahr 1892 ist, der Zeit ent- sprechend, in der sie geschrieben wurde, ein traditionell angelegter Text. Die Elemente der Mittelbarkeit überwiegen und geben der Geschichte eine auktoriale Aussagestruktur mit einem allwissenden, aber dennoch schwach personalisierten Erzähler, welcher die Gefühle der Figuren nicht darstellt, sondern berichtet. Dennoch ist schon hier der Versuch, Unmittelbarkeit zu erzeugen, erkennbar. Allerdings ist die Perspektive des Geschehens zu jeder Zeit durchtränkt von der Omnipräsenz einer Vermittlungsinstanz, welche sich zwar stellenweise zurück- nimmt, jedoch nie vollends hinter den Figuren verschwindet. Die informations- mäßige Privilegierung der Erzählerperspektive zeigt sich vor allem am Schluss der Erzählung: Peter ist tot, dem Erzähler aber ist bekannt, wie die Geschichte weitergeht, es herrscht eine geschlossene Perspektivstruktur vor. Mehr noch als bei dieser Short Story handelt es sich bei „Lou, the Prophet“ aus demselben Jahr um einen hochgradig diegetisch-fiktionalen Text, was u.a. an der Personhaftigkeit des Erzählers liegt, welcher hier markant in Erscheinung tritt, so dass die Vermittlungsinstanz als Erzähler mit Leib rezipiert wird. Das System der geschlossenen Perspektivstruktur (single-point-perspective-system) dominiert auch bei dieser Kurzgeschichte (Nünning, Multiperspektivisches...

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