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Glitzernder Kies und Synagogengestein

Kindheit und Erinnerung in Else Lasker-Schülers Prosa

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Monika Lindinger

Else Lasker-Schüler (re-)konstruiert in ihrer Prosa zwei Gedächtnisräume: Die Zeit der Kindheit, in der die Gartenwege mit «glitzerndem Kies» bestreut waren, verbindet sich mit der jüdischen Tradition und verdichtet sich zu einem poetologischen Konzept. Die intertextuelle Auseinandersetzung mit dem deutschen wie mit dem jüdischen Teil dieses kulturellen Gedächtnisses erweitert die Erinnerungsräume um ihre historischen Kontexte, von der Akkulturationsproblematik des deutsch-jüdischen Bürgertums, dem die 1869 geborene Dichterin entstammte, bis hin zu ihrer Emigration 1933 in die Schweiz und 1939 nach Palästina. Aus dieser Konstellation eines Exils in Jerusalem, im jüdischen Denken ein begriffliches Paradoxon, erwächst dem Sehnsuchtsraum Kindheit Identität und Hoffnung stiftendes Potential.

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2. Die Väter der Kindheit: Peter Hille – Friedrich Nietzsche – Heinrich Heine 24

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24 2. Die Väter der Kindheit: Peter Hille – Friedrich Nietzsche – Heinrich Heine 2.1. Peter Hille und das Peter Hille-Buch Alle Kinder des Lebens zusammen: Das ist Schönheit. Peter Hille In der Zeit um die Jahrhundertwende traf Else Lasker-Schüler auf den Schriftsteller, Redakteur und Verleger Peter Hille.46 Als zentrale Gestalt der Berliner Künstler-Szene mit einer wohl beachtlichen charismatischen Aus- strahlung war Hille schon zu Lebzeiten legendär. Else Lasker-Schüler be- wunderte den belesenen und vielgereisten Bohèmien vor allem wegen seiner unbürgerlichen Lebensweise. Er gilt als ihr wichtigster Förderer und Mentor in ihren ersten Jahren als Schriftstellerin, und sie verehrte ihn zeitlebens. Die Person Peter Hille wird mit einem bestimmten Aspekt des Lasker- Schülerschen Selbstbildes in Verbindung gebracht, nämlich mit ihrer Selbst- stilisierung zum Kind.47 Allen voran ist es Hilles Essay Else Lasker-Schüler, der die Rezeption in diese Richtung gelenkt hat. Zuerst 1904 in der Zeit- schrift Kampf erschienen, wurde er von der Dichterin Jahre später ihren Gesammelten Gedichten (1917) vorangestellt. Hille schreibt dort unter anderem, sie habe das „Jauchzen des Kindes“. „Mit zierlichbraunen Sandäl- chen wandert sie in Wüsten, und Stürme stäuben ihre kindlichen Nippsachen ab, ganz behutsam, ohne auch nur ein Puppenschühchen hinabzuwerfen. [...] Strahlt kindlich, ist urfinster.“ (zit. nach KA 1.2, S. 24) Das erste Kapitel ‚Das Kind‘ seines nicht vollendeten Buches Sappho – Roman der Schönheit widmete Hille der Freundin, und in Briefen nannte er die immerhin gut Drei- ßigjährige ein...

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