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Verfügungsverhalten von Erblassern

Eine empirische Untersuchung als Beitrag zur Rechtstatsachenforschung und Reformdiskussion auf dem Gebiet des Erbrechts

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Gabriele Metternich

Das Erbrecht hat die Aufgabe, die vermögensrechtlichen Verhältnisse eines Menschen nach seinem Tod zu regeln, und betrifft deshalb jeden. Diese enorme praktische Bedeutung hat die Verfasserin veranlasst, sich dem Erbrecht von seiner rechtstatsächlichen Seite zu nähern. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die weitgefasste Frage, wie Erblasser testieren. Die an brandenburgischen Amtsgerichten aus über tausend Nachlassakten ermittelten Daten zur Person des Erblassers und zum Inhalt seiner Verfügung geben Aufschluss über die Rechtswirklichkeit und führen die Autorin dazu, einzelne Reformvorschläge anhand der gewonnenen Untersuchungsergebnisse kritisch zu hinterfragen. Aufgrund dessen ist die Untersuchung sowohl für den erbrechtlichen Praktiker als auch den Gesetzgeber ein wertvolles Hilfsmittel.

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B. Rechtstatsächliche Untersuchung 16

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16 B. Rechtstatsächliche Untersuchung I. Vorüberlegungen 1. Rechtstatsachenforschung Anhand eines prominenten Erbfalls soll die tagtäglich in der Praxis auftretende Kluft zwischen Sein und Sollen, zwischen Rechtsnorm und Rechtswirklichkeit,6 aufgezeigt werden: Um ganz sicher zu gehen, dass ihr geschiedener Ehemann nichts erbt, errichtete eine maßgebende Gesellschafterin des Gewürzherstellers Karl Ostmann GmbH & Co. KG nach ihrer Scheidung eigenhändig ein neues Testament, in dem sie ihre einzige Tochter als Alleinerbin einsetzte. Kurz danach verunglückten beide bei einem Autounfall. Die Gesellschafterin verstarb noch an der Unfallstelle, ihre Tochter kurze Zeit später im Krankenhaus. Beim Tod der Mutter war die Tochter dem Testament entsprechend Alleinerbin geworden. Die unverheiratete und kinderlose Tochter hatte keine Verfügung von Todes wegen errichtet. Da auch die Mutter für diesen Fall keine Vorsorge getroffen hatte, trat die gesetzli- che Erbfolge ein mit der Konsequenz, dass der ungeliebte geschiedene Ehemann als Vater der Tochter doch noch alles erbte. Das Unternehmen wurde später, nicht zuletzt wegen der hohen Erbschaftssteuer, verkauft.7 Dieses Beispiel zeigt nicht nur, wie wichtig für den Laien die bessere Kenntnis des Erbrechts ist. Es verdeutlicht überdies, wie wertvoll das Wissen um die Rechtsgewohnheiten und -ansichten des Volkes für den Juristen sein kann.8 Letzteres lässt sich durch die sog. Rechtstatsachenforschung, einen Teil der Rechtssoziologie, erreichen. Dieser erstmals von Nußbaum9 postulierte Begriff ist in seinen Einzelheiten bis heute nicht abschließend definiert.10 Im Kern wird die Rechtstatsachenforschung als empirische Forschung im Begegnungsfeld von Recht und Wirklichkeit...

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